Die US-Regierung erwägt, die Ernennung des künftigen französischen Botschafters in Washington zu verzögern oder sogar ganz zu blockieren. Anlass ist die öffentliche französische Kritik an der Menschenrechtslage in den Vereinigten Staaten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf vier mit dem Vorgang vertraute Personen. Eine Entscheidung ist demnach noch nicht gefallen.
Präsident Emmanuel Macron hat die Unterlagen für Aurélien Lechevallier eingereicht, den Kabinettschef von Außenminister Jean-Noël Barrot. Paris wollte ihn nach Angaben einer der Quellen bis September in Washington installieren. Vor einer Ernennung muss das Gastland jedoch vertraulich zustimmen. Eine öffentliche Verzögerung oder Ablehnung wäre höchst ungewöhnlich, Vorbehalte werden nach Angaben von Diplomaten üblicherweise im Stillen ausgeräumt.
„Die Vereinigten Staaten sind sehr enttäuscht über die unverantwortliche und respektlose Rhetorik der Franzosen“, sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums. „Wir reagieren angemessen auf ihre Äußerungen.“ Zwei der Quellen berichteten von Ärger in der Führung der Trump-Regierung, zwei weitere von Bemühungen um Deeskalation.
Ausgelöst hatte den Streit ein Beitrag der französischen UN-Vertretung auf der Plattform X. Washington hatte sich als eines von zehn Ländern gegen eine Verlängerung des Mandats von UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk ausgesprochen, unter ihnen Russland und Nordkorea. „Die USA waren einst ein Leuchtturm der Menschenrechte. Das sind sie nicht mehr“, schrieb daraufhin die Vertretung. Und weiter: „Heute stehen sie isoliert an der Seite von Nordkorea, Nicaragua, Mali und Russland. Und die Welt hört ihnen nicht mehr zu.“
Am Montag verließ die US-Delegation den Sitzungssaal, als Frankreich im UN-Sicherheitsrat zum Krieg in der Ukraine sprach. Der US-Diplomat Dan Negrea kritisierte die französischen Äußerungen als „unaufrichtige Effekthascherei“. „Es gibt ein Mitglied dieses Rates, das moralische Empörung heuchelt und so tut, als könne es die übrigen von uns zu jedem Thema belehren“, sagte Negrea. Das gelte sogar für Themen, die nichts mit internationalem Frieden und Sicherheit zu tun hätten, wie etwa die Menschenrechte. Deshalb hätten die USA während des Wortbeitrags Frankreichs den Saal verlassen.
Frankreich reagierte zurückhaltend. Die Unterstützung für Türks Mandat schließe „einen engen Dialog mit den Vereinigten Staaten nicht aus“, sagte ein französischer Diplomat. Meinungsverschiedenheiten über eine Abstimmung stellten weder die Qualität der Beziehungen noch die Fähigkeit zur Zusammenarbeit infrage.
Frankreich und die USA sind ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats. Beide verfügen über ein Veto-Recht. Bei der Sitzung am Montag ging es um den Krieg in der Ukraine.
Das Verhältnis der beiden Verbündeten hat sich in Trumps zweiter Amtszeit abgekühlt, zuletzt gerieten beide Seiten über Zölle und den Iran-Krieg aneinander. Aktueller französischer Botschafter in den USA ist Laurent Bili.
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