Nach dem Anschlag am Rande des Berliner CSD haben die Ermittler DNA-Spuren vom Täter in dem Tatwagen festgestellt. Es sei die DNA von Abdul Ballout, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Es seien keine weiteren DNA-Spuren in dem Fahrzeug entdeckt worden. Somit sei klar, dass Ballout den Wagen höchstwahrscheinlich gesteuert habe. Zuerst hatte der RBB berichtet.
Der Senat machte am Mittwoch auch genauere Angaben über die verletzten Menschen des Anschlags. Angaben von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) zufolge gab es am Samstag ein Todesopfer und sieben Menschen, die schwer verletzt und daraufhin stationär in einem Krankenhaus behandelt wurden. Dazu kamen 24 leicht verletzte Menschen, zwölf von ihnen wurden ambulant im Krankenhaus behandelt und dann wieder entlassen. Zwölf weitere Leichtverletzte waren nicht im Krankenhaus.
Auf dem Handy von Abdul Ballout wurde nach Angaben der Bundesanwaltschaft von Dienstag ein Bekennervideo gefunden, in dem eine vermummte Person, mutmaßlich Abdul Ballout selbst, einen Treueschwur auf die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) leistet.
Einem Medienbericht zufolge soll Ballout schon als junger Schüler mit aggressivem Verhalten aufgefallen sein. Wie die „Berliner Morgenpost“ schreibt, wurden bereits ab der ersten Klasse Vermerke wegen seines Verhaltens erstellt. Die Eltern hätten nicht mit den Lehrern kooperiert. Die Grundschule wechselte er demnach zweimal, danach besuchte er eine weiterführende Schule in einem Förderzentrum.
Abdul Ballout hatte dem Bericht zufolge Schwierigkeiten auch im emotionalen und sozialen Bereich und Anspruch auf sonderpädagogische Förderung. Er habe sich in der Folge zu einem Schulverweigerer entwickelt. Die Schule verließ er ohne Abschluss.
Bildungssenatorin regt Debatte an
Die Senatsverwaltung für Bildung bestätigte auf Anfrage den „Morgenpost“-Bericht hinsichtlich der Fakten zu Abdul Ballouts Schulzeit. „Demnach wurde die betreffende Person im Berliner Schulsystem beschult, es wurden bereits früh Unterstützungs- und Förderbedarfe festgestellt, und sie verließ die Schule ohne Schulabschluss“, schrieb die Senatsverwaltung.
„Der Fall zeigt, dass Problemlagen offenbar bereits früh erkannt worden sind. Gleichzeitig macht er deutlich, dass staatliche Hilfen an Grenzen stoßen können, wenn eine notwendige Mitwirkung des familiären Umfelds ausbleibt“, sagte Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch. „Wir müssen deshalb offen darüber sprechen, ab welchem Punkt bei einer erheblichen Kindeswohlgefährdung der Schutz des Kindes stärker zu gewichten ist als das Elternrecht“.
Angaben des Berliner Senats gehörte Ballout zeitweise auch einer salafistischen Gruppe an, die missionierend unterwegs war, also weitere Anhänger anwarb. Das sagte Iris Spranger im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Seit 2021 sei bei ihm ein zunehmender Prozess der Radikalisierung festzustellen gewesen.
Dem Berliner Verfassungsschutz war Abdul Ballout demnach seit November 2021 bekannt. Seitdem habe er sich in der salafistischen Szene bewegt, sagte Spranger. Bei der Polizei fiel er seit 2019 mit Delikten wie Körperverletzungen, Betrug, Raub und Beleidigungen auf.
Spranger wies darauf hin, dass in Berlin 1250 Menschen zur salafistischen Szene gehörten. Davon seien 350 gewaltorientiert. Insgesamt gebe es laut Verfassungsschutz 2590 Islamisten in Berlin.
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