Der CSD-Anschlag vom Wochenende in Berlin beschäftigt nicht nur die Medien in Deutschland. Auch weltweit blickt die Presse auf den islamistischen Terroranschlag. WELT liefert einen Überblick:

„Times“ in Großbritannien: Deutschland besonders gefährdet

„Deutschland ist mit denselben Schwierigkeiten konfrontiert wie Frankreich und Großbritannien. (...) In allen drei Ländern ist der Auslöser für das Wiederaufflammen terroristischer Aktivitäten derselbe: die radikalisierenden Auswirkungen der Terroranschläge der Hamas auf Israel vom 7. Oktober sowie der darauffolgende Krieg im Gazastreifen.

Deutschland ist dieser Gefahr jedoch in ungewöhnlichem Maße ausgesetzt. Das liegt zum Teil an der schieren Zahl der Asylsuchenden, die das Land im Laufe der 2010er-Jahre aufgenommen hat. (...)

Die übergroße Mehrheit von ihnen verhält sich friedlich. Doch eine beträchtliche Zahl junger Männer aus der islamischen Welt landete in einer administrativen und gesellschaftlichen Grauzone. Sie haben das Land nicht wieder verlassen, sich aber auch nicht integriert, was sie anfällig für Rekrutierungen durch die Terrororganisation IS macht. Angesichts dessen erweist es sich als problematisch, dass Deutschland im Zuge seiner Nachkriegsordnung die Überwachungsbefugnisse der Polizei und der Geheimdienste stark einschränkte.“

„La Repubblica“ in Italien: Heikle Zeitpunkt

„Die AfD und (ihre Vorsitzende Alice) Weidel haben den Anschlag aus ihrer extrem islamfeindlichen Perspektive verurteilt. Doch er kommt zu einem für Deutschlands Schicksal äußerst heiklen Zeitpunkt. Erstens, weil einige AfD-Vertreter seit langem die Notwendigkeit predigen, das Ziel der ‚Remigration‘ auch auf Migranten mit deutschem Pass – wie Abdul B. – auszuweiten, also auch auf diejenigen, die sich ‚nicht integrieren‘. Deren Vorstellung ist, dass Millionen Menschen aus Deutschland vertrieben werden müssen.

Der zweite Grund, warum der Terroranschlag Schauder über den Rücken jagt, ist, dass im Herbst in drei deutschen Bundesländern Wahlen stattfinden: in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Und die AfD liegt überall vorn. Seit einigen Tagen ist sie sogar in der traditionell ‚roten‘ Hauptstadt, der Stadt von Willy Brandt und Bertolt Brecht, die jahrzehntelang von den Sozialdemokraten regiert wurde, die stärkste Kraft. Ein Schock.“

„Jyllands-Posten“ in Dänemark: Europa ist alles andere als sicher

„Die Sicherheitslage in Europa ist also wieder ein wahr gewordener Albtraum. Dazu kommt der Terror, der von den europäischen Geheimdiensten vereitelt wird. Die vom Iran unterstützte Terrorbewegung Hamas war 2025 laut dem deutschen Bundesanwalt darauf aus, einen neuen Anschlag wie den vom 7. Oktober in Europa zu verüben. Ein 25-jähriger Däne wird in diesem Zusammenhang in Deutschland wegen Waffenschmuggels, Hamas-Mitgliedschaft und Terrorvorbereitung angeklagt. Griechenland und Zypern haben eine mutmaßliche Hamas-Zelle aufgedeckt.

Alles deutet darauf hin, dass die Hamas schon seit langem dabei ist, ihre bestialischen Aktivitäten nach Europa zu verlagern. Mit anderen Worten: Europa ist alles andere als sicher. In erster Reihe sind Juden und Homosexuelle bedroht. In zweiter Reihe unsere Demokratien und liberalen Freiheitsrechte.“

„De Telegraaf“ in den Niederlanden: Dschihadismus ist größte Gefahr

„Der Anschlag in Berlin zeigt, dass die größte Gefahr für Europa nach wie vor aus dem dschihadistischen Lager kommt. Der 21-jährige Terrorist Abdul B. soll bereits in jungen Jahren radikalisiert worden sein und wollte sich dem IS anschließen.

Die Sicherheitsdienste warnen schon seit längerem davor, dass immer mehr Jugendliche durch das in den sozialen Medien weit verbreitete dschihadistische Gedankengut beeinflusst werden. Nach Angaben des (niederländischen Geheimdienstes) AIVD ist inzwischen ein Drittel der Dschihadisten unter 24 Jahre alt. (...)

Abdul B. stand offenbar als mögliche Bedrohung auf dem Radar der Sicherheitsdienste. Dennoch durfte er nach einer Verurteilung die Jugendstrafanstalt relativ schnell verlassen – unter der Bedingung, dass er an einem Deradikalisierungsprogramm teilnimmt. Dieser therapeutische Ansatz, ihn von Extremisten loszulösen, erwies sich als Farce.

Das Aufkommen immer jüngerer Dschihadisten wird viele europäische Länder vor die Frage stellen, ob das Jugendstrafrecht noch zeitgemäß ist. Milde Strafen können potenzielle Attentäter von solchen Taten ebenso wenig abhalten wie Therapien.“

„El País“ in Spanien: Nicht einschüchtern lassen

„Der Anschlag auf den CSD in Berlin, den die deutschen Behörden einem Islamisten zuschreiben, ist ein Angriff auf Freiheit und Toleranz – und eine Mahnung, welche Gefahr Fanatismus für das Zusammenleben in demokratischen Gesellschaften darstellt. (...)

Der Angriff auf eines der größten Feste und zugleich eine der wichtigsten Demonstrationen für die Rechte von LGBTIQ+-Menschen in Europa richtet sich gegen das, was unsere Gesellschaften ausmacht: den Kern menschlichen Fortschritts und der Freiheit. (...)

Schon beunruhigend genug ist, dass in einem EU-Mitgliedstaat wie Rumänien ein CSD verboten wird – wie an diesem Wochenende in der Stadt Oradea. Noch schwerer wiegt jedoch, dass die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung im Jahr 2026 in einer europäischen Hauptstadt mit dem Leben bezahlt werden kann. Sollte sich der islamistische Hintergrund des tödlichen Anschlags in Berlin bestätigen, wäre dies ein Beleg dafür, dass die Gefahr dieser gewaltbereiten Ideologie nicht verschwunden ist. (...) Die einzige Antwort darauf kann nur sein, uns weder einschüchtern noch spalten zu lassen. Alles andere wäre ihr größter Sieg – und die Niederlage der Demokratie.“

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