In Russland sollen sich nach offiziellen Angaben im ersten Halbjahr erneut rund 200.000 Freiwillige für den Angriffskrieg gegen die Ukraine gemeldet haben. Diese nicht überprüfbare Zahl nannte der Vizechef des nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedjew, bei einer Sitzung. In einem bei Telegram veröffentlichten Video wies er zugleich Behauptungen der ukrainischen Führung zurück, wonach Moskau wie nach Kriegsbeginn 2022 eine Mobilmachung plane, um massive Verluste bei den Streitkräften auszugleichen.“

„Ich möchte noch einmal ausdrücklich betonen: Es besteht keinerlei Notwendigkeit für eine Mobilmachung. Das ist eine Lüge des Feindes, der selbst unter einem Mangel an Personal leidet“, sagte Medwedjew in dem Video. Die personellen Erfordernisse der russischen Streitkräfte seien im ersten Halbjahr „vollkommen“ erfüllt worden, sagte er. Russland lockt die Freiwilligen mit hohen Prämien und Einkommen. Viele Männer, die ihren Wehrdienst abgeleistet haben, berichten aber auch von Druck, sich für den Kriegsdienst zu verpflichten.

Zuletzt hatte es vermehrt Berichte darüber gegeben, dass der russische Präsident Wladimir Putin den Krieg ausweiten könnte. Auch aus Russland gab es Verlautbarungen, die darauf schließen lassen.

Der ehemalige Beamte des russischen Verteidigungsministeriums, Andrei Ilnizki, schrieb etwa in einem Zeitungsbeitrag, eine nächste Phase des Konflikts könnte Angriffe auf Nato-Basen im Baltikum und in Rumänien sowie auf EU-Rüstungsbetriebe umfassen, die Drohnen mit großer Reichweite und Raketen für die Ukraine herstellen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies dies ‌auf Nachfrage nicht zurück. Russland müsse seine Sicherheit stärken, hieß es dazu.

Aus ukrainischen ​Regierungskreisen verbreitete Geheimdienstberichte deuteten darauf hin, ‌dass Putin neue Militäreinsätze oder sogar einen Angriff auf ein anderes europäisches Land vorbereite. Russische Militärexperten diskutieren in der Öffentlichkeit zunehmend über eine Ausweitung des Krieges, einschließlich möglicher Angriffe auf europäische Ziele. Dazu zählten etwa Nato-Stützpunkte in den baltischen Staaten.

Der scheidende deutsche Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff, wies kürzlich im „Spiegel“ darauf hin, dass in Moskau derzeit „immer mehr Menschen“ über eine zweite mögliche Mobilmachung wehrfähiger Männer redeten – und zwar nach der Duma-Wahl im September. „Putin wirkt sehr entschlossen, den Krieg fortzuführen, um ihn zu gewinnen“, sagte er.

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