Nach dem umstrittenen Auftritt des argentinischen Staatschefs Javier Milei bei der Nominierung des rechtsgerichteten brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro hat Brasilien seinen Botschafter in Buenos Aires zu Konsultationen zurückbeordert. Wie die Regierung in Brasília mitteilte, wurde zudem der argentinische Botschafter ins Außenministerium einbestellt. Der diplomatische Eklat gilt als der schwerwiegendste zwischen den beiden südamerikanischen Nachbarländern seit Jahrzehnten.
Beim Parteitag der Liberalen Partei (PL) von Bolsonaro hatte Milei am Vortag in Brasilien den linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und die Justiz des Landes scharf kritisiert. Milei bezeichnete Lula (80) als „Dieb“ und „Häftling“. Zudem rief er dazu auf, dem „sozialistischen Abschaum“ in Lateinamerika den Rücken zu kehren.
„Es gibt keinen Präzedenzfall, in dem ein ausländischer Staatschef auf brasilianischem Staatsgebiet Angriffe und Beleidigungen gegen das Staatsoberhaupt, die demokratischen Institutionen – einschließlich der Justiz – und das brasilianische Volk geäußert hat“, erklärte das brasilianische Außenministerium.
Milei beschimpft Richter als „glatzköpfiger Müll“
Brasilien ist die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas und Argentiniens wichtigster Handelspartner. Amtsinhaber Lula will sich im Oktober als Kandidat der linken Arbeiterpartei PT zur Wiederwahl stellen. Sein Hauptherausforderer Flávio Bolsonaro (45) ist der Sohn des wegen eines versuchten Staatsstreichs zu 27 Jahren Haft verurteilten rechten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, der seine Strafe aus gesundheitlichen Gründen unter Hausarrest verbüßt.
Milei ist einer der prominentesten Vertreter der politischen Rechten in Lateinamerika. Während seiner Reise nach Brasilien beabsichtigte er, Jair Bolsonaro zu besuchen. Dies untersagte ihm der über Brasiliens Grenzen hinaus bekannte Richter Alexander de Moraes allerdings. In seiner Rede bei der Nominierung Flávio Bolsonaros bezeichnete der argentinische Präsident den einflussreichen Richter als „glatzköpfigen Müll“.
Argentiniens Botschafter Daniel Raimondi sei einbestellt worden, um Brasiliens Empörung über die Beleidigungen zum Ausdruck zu bringen und eine Erklärung einzufordern, erklärte das Außenministerium. In der Diplomatie sind die Rückholung des eigenen Botschafters zu Konsultationen und die Einbestellung eines ausländischen Botschafters starke Zeichen des Missfallens oder Protests gegenüber der anderen Regierung.
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