Wer die Erfolgsgeschichte von Australiens bekanntester Rechtspopulistin Pauline Hanson verstehen will, der muss dem Geldfluss nachgehen. Dieser führt direkt zu Gina Rinehart, Chefin des Bergbauunternehmens Hancock Prospecting und reichster Mensch des Landes.
Ihr Vermögen wird auf umgerechnet rund 24 Milliarden Euro geschätzt, nach neueren Bewertungen sogar auf 40 Milliarden. Damit gehört sie zu den zehn reichsten Frauen der Welt.
Die 72-jährige Unternehmerin stellte Hanson und ihrer Partei One Nation ein privates Flugzeug im Wert von über 600.000 Euro zur Verfügung, ein Hancock-Manager schenkte ihr einen nagelneuen Ford Ranger, Freunde und Geschäftspartner der Milliardärin steuerten weitere 1,2 Millionen Euro bei. Kürzlich berichteten australische Medien, dass die beiden Frauen gemeinsam an einem Pool auf Sizilien gesichtet worden seien.
Politikerin Hanson, die Rinehart im vergangenen Jahr als Freundin bezeichnete, macht weder aus den Spenden noch aus der damit einhergehenden Einflussnahme einen Hehl. „Ich bin offen für jeden, der mir sinnvolle politische Vorschläge macht“, erklärte die One-Nation-Vorsitzende vor Kurzem.
Georgina „Gina“ RinehartDabei verwies sie ausdrücklich auf einen Gedanken, der von ihrer Förderin Rinehart stammt und der deutschen sogenannten Aktivrente ähnelt: Rentner sollen ohne Einbußen bei Pension oder Krankenversicherung beliebig lange arbeiten können. Kritiker sehen Probleme bei Menschen, die ihr Leben lang auf dem Bau oder in der Pflege gearbeitet haben, und die Gefahr, dass aus der Freiwilligkeit eine verpflichtende längere Arbeitszeit werden könnte.
Rineharts eigene politische Vorstellungen gehen jedoch viel weiter. Auf einem Wirtschaftsgipfel von News Corp in Townsville schlug sie vor, der Bundesstaat Queensland solle Grundstücke kostenlos „den Israelis“ überlassen, um dort israelische Kampfdrohnen und Verteidigungstechnik zu entwickeln. Ein ähnliches Landangebot machte sie Elon Musk – für den Start von SpaceX-Satelliten.
Ihr Mammutprojekt ist die Umwandlung des nördlichen Teils Australiens in eine „Nordaustralische Wirtschaftszone“ – eine Sonderwirtschaftszone, in der es weder Einkommensteuer für Privatpersonen noch Lohnsteuer, Lizenzgebühren oder Stempelsteuern gibt. Letztere sind Abgaben auf bestimmte Rechtsgeschäfte und Dokumente, vor allem beim Immobilienkauf. In jenem Teil des Landes liegen auch etliche von Rineharts Bergbau- und Landwirtschaftsbetrieben.
Neoliberalismus und Anti-Islam-Rhetorik
Ob Hanson Rineharts wirtschaftspolitische Vorstellungen tatsächlich verinnerlicht hat, bleibt unklar. Aber welche Themen ihr wichtig sind, zeigte Hanson, die seit 2016 im Senat sitzt, bei einer Rede beim National Press Club im Juni. Darin prangerte sie Migration an, den „radikalen Islam“, die „Transgender-Ideologie“ und die Aussöhnung mit den australischen Ureinwohnern.
Außerdem warb sie für eine „Monokultur“: „Wir sind eine multirassische Gesellschaft, doch kulturell müssen wir eine Einheit bilden“, sagte sie. „Die Australier müssen sich unter einem gemeinsamen kulturellen Dach versammeln.“ Den multikulturellen australischen Sender SBS möchte sie abschaffen.
Jungen Beschäftigten warf die 72-Jährige „Faulheit“ vor, forderte erweiterte Befugnisse für Arbeitgeber bei Einstellung und Kündigung, kritisierte Elternzeitregelungen sowie Homeoffice-Modelle und hinterfragte die Bedeutsamkeit der Lohngleichstellung zwischen Geschlechtern.
„Wirtschaftspolitisch propagiert Hanson klassisch neoliberale Positionen, die im Widerspruch zu weiten Teilen ihrer sonst populistischen Rhetorik stehen“, urteilte der Politikexperte Josh Sunman von der australischen Flinders University in einer Analyse über die Rede.
Ihre Positionen und Rhetorik erinnern häufig an Donald Trumps Maga-Bewegung. Außenpolitisch fordert Hanson etwa den Ausstieg Australiens aus internationalen Abkommen und Organisationen. Auch ins Lager der europäischen Rechtsnationalen pflegt sie teils enge Kontakte.
So attackierte sie im Podcast des britischen Rechtsextremisten Tommy Robinson Migranten im Allgemeinen und Muslime im Besonderen. Kritiker sehen darin einen weiteren Hinweis, dass One Nation sich zunehmend radikaleren internationalen Bewegungen öffnet – obgleich Hanson sich selbst gern als Stimme der „durchschnittlichen Australier“ darstellt. Mehrfach erschien sie vor dem Senat in einer Burka gehüllt, um ein Verbot der Verschleierung zu fordern.
Wie schon einmal im Jahr 2017 erschien Islam-Kritikerin Hanson im November 2025 in Burka im Senat, um ein Verbot von Verschleierungen zu fordernDie ehemals selbstständige Betreiberin eines Fish-and-Chips-Shops saß 2003 wegen Wahlbetrugs elf Wochen in Haft, bevor ein Berufungsgericht sie einstimmig freisprach. Dieser Fall unterstützte ihr Image als Opfer eines feindseligen Systems – ein Narrativ, das sie geschickt bis heute nutzt.
Ihre Umfragewerte sind zwar in letzter Zeit wieder etwas gesunken, und die nächste Parlamentswahl findet erst 2028 statt. Aber One Nation liegt derzeit nach der regierenden Labor Party an zweiter Stelle – vor der konservativen Liberal-National Coalition.
Durch eine Nachwahl im Wahlkreis Farrer im Mai 2026 erhielt One Nation erstmals einen Sitz im australischen Unterhaus. Die Partei profitierte dabei auch von den Machtkämpfen in der konservativen Opposition, die nach ihrer Wahlniederlage im Mai 2025 gegen Labor bis heute keine neue Strategie entwickelt hat.
Australien galt lange als relativ immun gegen politische Extreme. Die seit 1924 geltende Wahlpflicht führt zu einer konstanten Wahlbeteiligung von etwa 90 Prozent. Das Präferenzwahlsystem, bei dem Wählerinnen und Wähler alle Kandidaten nach ihrer Präferenz nummerieren müssen, erschwerte Extremparteien bisher den Zugang zur Regierung.
Doch stagnierende Einkommen und steigende Preise, die Schwäche der konservativen Opposition sowie Rineharts finanzielle Mittel könnten diese institutionelle Stabilität künftig gefährden.
Rinehart könnte für Hanson allerdings auch zum politischen Ballast werden. Denn die Milliardärin zählt – ebenso wie Elon Musk, den sie öffentlich als „genial“ bezeichnet – zu den prominenten Unterstützern von US-Präsident Donald Trump. Trumps Politik hat in Australien aber deutlich weniger Rückhalt als in Amerika. Der konservative Oppositionspolitiker Peter Dutton unterlag bei der Wahl 2025 auch deshalb, weil viele Australier ihn als zu Trump-nah wahrnahmen.
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