Berichte über die Nutzung von Büroräumen durch die AfD sorgen in einem Berliner Mietshaus für Unruhe. Der Bundesverband der Partei selbst dementierte, sich an der Adresse am Köllnischen Park 1 einmieten zu wollen. Ein AfD-Sprecher sagte am Donnerstag auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd), er könne entsprechende Medienberichte nicht bestätigen. Insbesondere Hilfsorganisationen in dem Gebäude in Berlin-Mitte hatten sich zuvor besorgt gezeigt.
Neben der Entwicklungsorganisation Oxfam Deutschland ist dort unter anderem der Berliner Landesverband des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) ansässig. Auch Büros der Berliner Stadtwerke GmbH und eine Sprachschule befinden sich dort. Über Pläne eines AfD-Einzugs hatten zuvor unter anderem die „Bild“ und die Berliner „taz“ berichtet.
Mitglieder der Hausgemeinschaft haben sich nun schriftlich an die Eigentümerin des Gebäudes gewandt und um ein Gespräch gebeten, teilte der ASB-Berlin am Donnerstag auf Anfrage mit. „Uns ist sehr an einer Hausgemeinschaft gelegen, die ein gemeinsames Werteverständnis von Menschenwürde, Demokratie und Vielfalt teilt“, hieß es.
Dem ASB zufolge „bestehen Bedenken hinsichtlich der persönlichen Sicherheit im gemeinsam genutzten Gebäude, des Arbeitsklimas sowie möglicher Beeinträchtigungen unserer Arbeit vor Ort“. Die Hilfsorganisation erwarte, dass die Eigentümerin die geäußerten Sicherheitsbedenken ernst nehme und angemessen adressiere.
Sorge um Mitarbeiter
Auch Oxfam zeigte sich alarmiert: „Wir sind überrascht und besorgt von den Medienberichten, dass Teile der AfD in das Gebäude ziehen sollen, in dem Oxfams Büroräume untergebracht sind“, hieß es in einer Stellungnahme. Oxfam stehe für Menschenrechte und demokratische Werte. Die in Teilen als rechtsextrem eingestufte Partei stehe den Werten und Zielen der Organisation entgegen. Oxfam sei daher in Sorge um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, „unseren Kiez und unsere freie, demokratische und weltoffene Gesellschaft“.
In direkter Nachbarschaft des Gebäudes befindet sich auch die Psychologische Hochschule Berlin. In einer Stellungnahme äußerte die Leitung am Mittwoch die „Unsicherheit und Sorge“ vieler Mitarbeiter angesichts der Berichte. Die Bedenken richteten sich zunächst „nicht auf eine konkrete Beeinträchtigung, sondern auf die Frage, wie sich diese neue Nachbarschaft auf Menschen auswirkt, die unsere Hochschule aufsuchen“. Sollte die Hochschulleitung Kenntnis von Einschüchterung oder Diskriminierung erhalte, werde sie dem entschieden entgegentreten.
AfD sucht neuen Standort für Bundesgeschäftsstelle
Schon Anfang Juli hatten Berichte über den Einzug von AfD-Mitarbeitern an der Adresse für Aufsehen gesorgt. Laut „Bild“ sollen sich Mitarbeiter der Partei bereits über die Nähe des Standorts zum „KitKatClub“ beschwert haben. Die Lokalität ist bekannt für ihre sexuell ausschweifenden Partys.
Die AfD ist derzeit auf der Suche nach einem neuen Standort für ihre Bundesgeschäftsstelle. Diese ist bisher in einem Gebäude in Wittenau im Berliner Bezirk Reinickendorf untergebracht. Nach einem Streit mit dem Vermieter wegen einer nicht genehmigten Wahlparty im Innenhof muss die Bundespartei die Räumlichkeiten jedoch bis Jahresende schrittweise räumen.
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