Stefan Evers, der neue Spitzenkandidat der Berliner CDU für die Wahlen im September, hat von negativen Erfahrungen als schwuler Mann in Berlin berichtet. Dem „Tagesspiegel“ sagte er: „Wenn man händchenhaltend in der U7 unterwegs ist, kann es sehr unangenehme Situationen geben.“ Solange das so sei, dürfe man „im Kampf für Respekt und Vielfalt nicht nachlassen“.

Als Ursache für „Vorurteile und Übergriffe“ nannte Evers „kulturelle Hintergründe oder religiös-fundamentalistische Strukturen“. Zuletzt habe etwa eine Studie der Bildungsverwaltung festgestellt, „dass für fast 30 Prozent der muslimischen Schüler die Scharia das geltende Recht ist und nicht das Grundgesetz“.

Er fügte hinzu: „Wir dürfen nicht Ruhe geben, bis auch dem Letzten klar ist, dass man sich in diesem Land an unsere Regeln zu halten hat.“

Evers führte aus, er finde „Hassgewalt in jeder Form unerträglich“. Das betreffe nicht nur schwule Männer. „Wenn sich jüdische Menschen mit einer Kippa nicht sicher durch Neukölln bewegen können, haben wir noch viel zu tun.“ Er betonte, dass sich jeder in Berlin frei bewegen können solle, unabhängig von Herkunft, Glaube oder Sexualität.

Seine Vision für Berlin sei, „dass bei uns alle Menschen eine Chance haben, ihre persönliche Vision zu verwirklichen“. Viele Menschen hätten ein Verhältnis der „Hassliebe“ zur Stadt, derzeit kippe es gelegentlich zum Hass. Dagegen wolle er arbeiten. Berlin habe immer noch großes Potenzial. „Hier kann man wirklich alles werden, sogar Spitzenkandidat über Nacht.“

Evers ist seit 2015 mit einem Mann verpartnert, später heirateten sie. Sein Privatleben wolle er weiterhin aus der Öffentlichkeit heraushalten, sagte er dem „Tagesspiegel“.

Evers ist seit 2023 Bürgermeister und Finanzsenator. Im April dieses Jahres übernahm er zusätzlich das Amt des Kultursenators.

In Berlin finden am 20. September Wahlen zum Abgeordnetenhaus statt. Evers war erst vor Kurzem zum Spitzenkandidaten der Landes-CDU gekürt worden, nachdem der Regierende Bürgermeister Kai Wegner seine Kandidatur zurückgezogen hatte. Grund waren anhaltende Diskussionen um seine Falschaussagen zu seinem Verhalten während des großflächigen Stromausfalls im Berliner Südwesten im Januar. In Umfragen liegt die Berliner CDU derzeit auf Platz vier hinter Linkspartei, AfD und Grünen.

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