Berlins CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hat bei einem wichtigen Streitpunkt Position bezogen: Er will die Randbebauung des Tempelhofer Feldes ohne neuen Volksentscheid oder Bürgerbefragung durchsetzen. Durch seine frühe Festlegung bei der in Berlin kontrovers diskutierten Frage will der CDU-Politiker auch Klarheit schaffen. „Diese Wahl ist für mich auch eine Abstimmung über eine Randbebauung am Tempelhofer Feld“, sagte der kommissarische CDU-Landesvorsitzende dem „Tagesspiegel“. Eine Volksbefragung zu dem Thema sei in Berlin nach geltendem Recht aktuell nicht möglich, erläuterte er weiter. Gewählt wird in Berlin am 20. September 2026.
Die schwarz-rote Koalition hatte sich bislang darauf verständigt, zur Frage der Randbebauung extra eine Volksbefragung von oben einführen zu wollen. Davon rückt Evers nun ab. 2014 hatte ein Volksentscheid ergeben, dass der ehemalige Flughafen in Tempelhof nicht bebaut werden darf.
„Der Volksentscheid liegt zwölf Jahre zurück, damals war die Not lange nicht so groß wie heute. Das kann ich doch nicht ignorieren. Außerdem stehen wir kurz vor einer Wahl. Eine größere Volksentscheidung gibt es nicht“, sagte Evers. Es sei der Inbegriff von Demokratie, „wenn man vor einer Wahl klar sagt, was man zu tun beabsichtigt, und das nach einer Wahl auch umsetzt“. Sollten die Wähler der CDU das Vertrauen aussprechen, werde er dafür eintreten, dass das Gesetz zum Erhalt des Tempelhofer Feldes geändert wird.
Stefan Evers (CDU) ist aktuell noch Berlins FinanzsenatorUm das Tempelhofer Feld wird seit vielen Jahren gestritten. Das ehemalige Flughafengelände umfasst rund 355 Hektar und gehört damit zu den größten innerstädtischen Freiflächen Europas. Befürworter einer Bebauung – darunter CDU und SPD – verweisen auf den Wohnungsmangel und schlagen Neubauten am Rand des Feldes vor. Bürgerinitiativen wie „100 % Tempelhofer Feld“, Umweltverbände und viele Anwohner lehnen jedoch jede Bebauung ab und pochen auf den Volksentscheid sowie den Schutz der Freiflächen.
50.000 Menschen könnten dort ein neues Zuhause bekommen
Generell verteidigte Evers die Bebauungspläne. „Die Zeit drängt, die Wohnungsnot ist da – und wir haben dringend ein Problem zu lösen, unter dem ganz Berlin zu leiden hat“, sagte er. „Wenn wir die Wohnungskrise in der Stadt lösen wollen, dann müssen wir noch mutiger sein.“
Für den CDU-Politiker ist die Randbebauung des Tempelhofer Feldes mit Wohnhäusern demnach auch eine Frage der Gerechtigkeit. Es sei den Menschen nicht zu erklären, dass im Ostteil der Stadt grüne Innenhöfe bebaut werden, „aber ein so gigantisches Wohnungsbaupotenzial mitten in der Stadt“ nicht genutzt werde. „50.000 Menschen könnten am Tempelhofer Rand ein neues Zuhause bekommen, ohne dass wir das 200 Hektar große grüne Herz der Fläche antasten müssten“, sagte Evers.
Die Kritik von Grünen und SPD an den Bebauungsplänen wies der CDU-Politiker zurück. Vielmehr sieht er sich auch durch Umfragen bestätigt, wonach selbst eine Mehrheit der Grünen-Wähler die Randbebauung unterstützte. „Die Menschen spüren doch, dass die Wohnungsnot ein Problem ist, das uns alle betrifft“, sagte Evers. „Ich finde, sie dürfen dafür auch mutige Lösungen von der Politik erwarten. Dieser Verantwortung sollten auch SPD und Grüne sich stellen.“
Die bisherige Regierungszeit des schwarz-roten Senats wertet Evers, der Finanz- und Kultursenator ist, als Erfolg. „Ich werde die Erfolge der CDU-geführten Regierung nicht verstecken“, sagte er. Die Bürgerämter funktionierten wieder, die Polizei habe wieder Rückhalt, Berlin sei Aufsteigerland im Bildungsvergleich, das Bauen sei vereinfacht worden. „Aber das kann nur ein Anfang sein. Es gibt noch viel zu tun“, sagte Evers.
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