Das US-Militär hat nach eigenen Angaben erneut iranische Ziele angegriffen. Von 16.45 bis 22.15 Uhr US-Ortsküstenzeit (22.45 bis 4.15 Uhr deutscher Zeit) hätten die Streitkräfte die dritte Nacht in Folge Angriffe durchgeführt, teilte das zuständige Regionalkommando des US-Militärs (Centcom) auf der Plattform X mit.
„Während des Einsatzes griffen US-Streitkräfte erfolgreich militärische Ziele im gesamten Iran an, darunter in Bushehr, Tschahbahar, Jask, Konarak, Abu Musa und Bandar Abbas, um die Fähigkeit des Irans, die Handelsschifffahrt anzugreifen, weiter zu schwächen“, hieß es. Es seien unter anderem iranische Abwehrsysteme, Raketen- und Drohnenstellungen sowie maritime Ziele angegriffen worden. Örtliche Medien im Iran meldeten Explosionen.
Der Iran wiederum hat nach Angaben der Vereinigten Arabischen Emirate zwei ihrer Öltanker in der Straße von Hormus angegriffen. Ein indisches Besatzungsmitglied sei dabei getötet worden, teilte das Verteidigungsministerium in Abu Dhabi am Dienstag im Onlinedienst X mit. Zudem gebe es acht Verletzte, vier davon schwer. Bei den Verletzten handele es sich um sechs indische und zwei ukrainische Staatsangehörige, hieß es weiter. Die iranischen Revolutionsgarden übernahmen später die Verantwortung. Sie teilten mit, zwei Supertanker getroffen und außer Gefecht gesetzt zu haben, nachdem diese wiederholte Warnungen ignoriert und ihre Navigationssysteme abgeschaltet hätten. Die Revolutionsgarden warfen den USA vor, Schiffe zur Nutzung einer illegalen Route anzustiften.
Das Ministerium der Vereinigten Arabischen Emirate verurteilte die Angriffe als einen „schwerwiegenden Verstoß (...) gegen das Völkerrecht, der die Sicherheit und Stabilität in der Region gefährdet“. Die beiden Tanker waren den Angaben zufolge von iranischen Marschflugkörpern getroffen worden, als sie auf der südlichen Route in der Straße von Hormus in omanischen Hoheitsgewässern unterwegs waren. Auf beiden Schiffen seien Brände ausgebrochen, die aber unter Kontrolle gebracht worden seien, erklärte das Verteidigungsministerium weiter. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein wichtiger Verbündeter der USA in der Golfregion und wurden im Iran-Krieg immer wieder zum Ziel iranischer Vergeltungsangriffe.
Im Golfstaat Bahrain heulten die Alarmsirenen. Das Königreich meldete, iranische Luftangriffe abgefangen zu haben. Das Innenministerium des mit den USA verbündeten Landes rief die Einwohner in der Nacht über die Plattform X auf, ruhig zu bleiben und Schutz zu suchen. Der Iran bekannte sich später auch zu diesen Angriffen. Mit Raketen und Drohnen seien mehrere Waffenlager, „ein Satellitenkommunikationszentrum und ein Wohngebäude der US-Streitkräfte“ auf einem Militärstützpunkt ins Visier genommen worden, teilten die Revolutionsgarden nach Angaben des staatlichen Fernsehsenders Irib mit.
Trump kündigte Angriffe an
Die US-Angriffe auf den Iran hatte Präsident Donald Trump groß angekündigt. Man werde das Land heute Abend hart treffen – genau wie morgen, sagte er am Montagnachmittag (Ortszeit) in einem Radiointerview. Der Iran könne nichts dagegen tun, hob er hervor.
Trump drohte dabei explizit mit einem Angriff auf das stark befestigte Tunnelsystem im Berg Kuh-e Kolang. „Wir werden Pickaxe Mountain ausschalten“, sagte Trump. „Sagen Sie den Iran gern, sie sollen sich auf etwas gefasst machen.“ Über den Zweck der Einrichtung wird schon länger spekuliert. Eine These lautet, dass der Iran dort eine geheime Anlage zur Anreicherung von Uran errichten wolle, das für den Bau von Atomwaffen verwendet werden könnte. Pickaxe sei „ein mögliches Ziel“ für einen „großen, fetten“ Angriff sagte Trump. Wahrscheinlich werde es „relativ bald“ passieren. Die Anlage nahe dem beschädigten Atomkomplex Natans liegt Experten zufolge so tief unter der Erde, dass sie selbst von den stärksten bunkerbrechenden US-Bomben kaum zerstört werden kann.
Trotz der jüngsten Eskalation hält Trump eine Verhandlungslösung weiterhin für möglich. „Ja, ich glaube, ein Abkommen ist möglich“, sagte Trump kurz nach dem Beginn der neuen Angriffswelle im Weißen Haus. „Wir hatten uns vor zwei Tagen mit ihnen geeinigt, und dann sagten sie: ‚Oh, diesen Deal können wir nicht machen. Wir müssen noch weiter darüber verhandeln.’“ Die USA und der Iran hatten Mitte Juni ein Rahmenabkommen unterzeichnet, das binnen 60 Tagen zu einem Friedensabkommen führen sollte. Rund die Hälfte der Zeit ist vorbei, ohne dass es eine nennenswerte Annäherung gegeben hätte.
Die USA kündigten am Montag an, ab Dienstagabend die Blockade iranischer Häfen wieder aufnehmen. Trump kündigte zudem eine Abgabe von 20 Prozent auf alle durch die Straße von Hormus transportierten Güter an.
US-Streitkräfte hatten in den vergangenen Tagen wiederholt iranische Ziele angegriffen. Das Militär begründete dies mit Attacken des Irans auf Schiffe in der Straße von Hormus. Der Iran reagierte auf die US-Angriffe wiederum mit Vergeltungsangriffen – etwa auf Golfstaaten. All das befeuerte in der Region die Sorge vor einem vollständigen Wiederaufflammen des Kriegs – zumal Trump die Waffenruhe mit Teheran vor wenigen Tagen für beendet erklärt hatte.
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