An der Personalpolitik von Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) entzündet sich offenbar scharfe Kritik. Wie die „Bild“ berichtet, steht der Vorwurf im Raum, die Ministerin bevorzuge für das Entwicklungsministerium (BMZ) Mitarbeiter mit SPD-Nähe. Intern sei sogar von „Genossenfilz“ die Rede, heißt es.

Jüngster Auslöser sei die Position des Büroleiters von Radovan. Die 36-Jährige habe ihren Parteifreund Azfar K. für den Posten berufen. Der Personalrat habe das Vorhaben jedoch mit der Begründung gestoppt, K. fehle die Erfahrung und Vorbildung für den Job. K. sei daher nur als Vizebüroleiter eingestellt worden.

Wie die „Bild“ schreibt, habe Radovan durch einen Trick K. dennoch zum Chef gemacht: Sie habe die Büroleiter-Position unbesetzt gelassen, wodurch K. de facto Chef geworden sei.

Dass die Stelle des Chefpostens bisher unbesetzt blieb, begründet ein Sprecher des BMZ mit der „Reorganisation und Reform“ des Ministeriums. Durch diese habe es „zahlreiche personelle Veränderungen“ gegeben, „aus denen sich auch temporäre Vakanzen ergeben“ hätten, sagte er WELT. Auf den Umstand, dass K. vom Personalrat offenbar als nicht geeignet für den Job des Bürochefs erachtet wurde, wollte das Ministerium nicht näher eingehen. „Das BMZ kommentiert Äußerungen des Personalrats grundsätzlich nicht“, erklärte der Sprecher.

Auch bei der Besetzung der Leitung der sogenannten Nord-Süd-Kommission habe ein Mann der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung die Stelle erhalten. Die „Bild“ zitiert Mitarbeiter, die von einer „frisierten Ausschreibung“ sprechen. Mitarbeiter würden sich fragen, wieso erfahrene Beamte übergangen worden seien. Es herrschten „Zustände wie in einer Bananenrepublik“.

Der Personalrat habe in einer internen Nachricht die Belegschaft des Ministeriums gewarnt: „Es darf keine Überholspur für einige wenige geben. Persönliche Nähe zu Vorgesetzten oder zur Hausleitung, informelle Netzwerke oder sonstige sachfremde Erwägungen dürfen keinerlei Einfluss auf Bewertungen oder Karrierechancen haben.“

Das Ministerium weist auf WELT-Anfrage alle Vorwürfe zurück, die Kritik entbehre „jeder Grundlage“.

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