Zum 1. Mai fanden auch in diesem Jahr zahlreiche Demonstrationen und Kundgebungen statt. In der Vergangenheit kam es dabei immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Für dieses Jahr ziehen die Behörden jedoch eine positive Bilanz: Die große Demonstration linker und linksextremer Gruppen am Abend verlief weitgehend friedlich. Trotz teils aggressiver Stimmung und der Teilnahme eines sogenannten schwarzen Blocks kam es zu keiner Eskalation.

Alle Entwicklungen zum 1. Mai finden Sie in unserem Protokoll:

23:45 Uhr – Auseinandersetzungen am Südstern

Am späten Abend ist es im Bereich des Südsterns zu Auseinandersetzungen zwischen dem sogenannten „schwarzen Block“ und der Polizei gekommen. Die Polizei kesselte Teile der Demonstrierenden ein. In der Folge kam es wiederholt zu Rangeleien zwischen Beamten und Teilnehmern der Versammlung. Die Lage spitzte sich weiter zu, nachdem aus der Menge heraus Flaschen auf die Einsatzkräfte geworfen wurden.

Daraufhin griff die Polizei ein und nahm mehrere Personen fest. Im Anschluss formierte sich eine Sitzblockade, die gewaltsam aufgelöst wurde. Auch im weiteren Verlauf des Abends blieb die Situation angespannt: Immer wieder wurde Pyrotechnik gezündet.

23:12 Uhr – Demonstration erreicht Südstern

„Von Kreuzberg bis nach Gaza“ skandiert die Menge am Südstern – der Demonstrationszug erreicht seinen Endpunkt.

22:35 Uhr – Weitere Festnahmen in Berlin

Im Bereich der Berliner Sonnenallee und Pannierstraße sind zwei weitere Personen festgenommen worden.

Festnahme im Zuge der DemonstrationPolizeieinsatz in Berlin

22:30 Uhr – Wegstrecke der Demo geändert

Die Demoroute wurde gekürzt und geht nun direkt von der Sonnenallee über den Hermannplatz zur Hasenheide, wie die Polizei mitteilte.

22:15 Uhr – Massen auf Straße: Demonstration kommt nur langsam voran

Wegen tausender feiernder Menschen in Kreuzberg kommt die Demonstration „Revolutionärer 1. Mai“ von linken und linksextremen Gruppen in Berlin kaum voran. Während die Spitze des Demozuges schon in Neukölln war, befand sich das Ende noch in der Oranienstraße in Kreuzberg – dazwischen klafften große Lücken, der Zug zerfaserte quasi. Ob die Demonstranten am Abend noch ihr Ziel – den Südstern in Kreuzberg – erreichen würden, war zunächst unklar.

Der „Bund der Kommunist:innen“, der neben anderen zur Demo aufgerufen hatte, postete auf X: „Wir befinden uns auf der Glogauer Str. Die restlichen Blöcke können kaum los, weil Kreuzberg voll mit Leuten ist, die Party machen.“ Gegen 21:30 Uhr schrieb der Bund: „Die Demospitze ist fast am Görli, während die letzten noch nichtmal losgelaufen sind! Gesang ist zu hören: ‚Seht ihr die Fahnen wehn? Sie werden Frieden bringen!‘“

Viele Straßen in Kreuzberg waren für den Autoverkehr gesperrt, mehrere U-Bahnhöfe wurden nicht mehr angefahren. Am Abend sperrte die Polizei auch den Zugang zum Görlitzer Park.

21:00 Uhr – Streamer Eskalabe in Berlin festgenommen

Der rechte Streamer Eskalabe wurde am Paul-Lincke-Ufer festgenommen.

Eskalabe auf einer Demonstration zum 1. MaiFestnahme des Streamers

20:40 Uhr – Über 20.000 Menschen bei Mai-Demos in Hamburg

Rund 21.000 Menschen sind in Hamburg am 1. Mai bei verschiedenen Demonstrationen auf die Straße gegangen. Neben den jährlichen Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), an denen sich nach Polizeiangaben mehr als 10.000 Menschen beteiligt haben, gab es drei Demonstrationen aus dem linken und linksextremen Spektrum. Hier wurde die Teilnehmerzahl auf insgesamt 11.000 geschätzt.

19:30 Uhr – Rauchbomben in der Oranienstraße

Die Demo legt los und befindet sich aktuell auf dem Weg zum Görli – mehrere Dutzend Rauchbomben lassen die Oranienstraße in Rot aufleuchten.

Die Oranienstraße leuchtet rot aufSchwarzer Block mit Pyrotechnik

19:15 Uhr – Tausende Demonstranten in Kreuzberg

Mehrere Tausend Menschen haben am Abend an der traditionellen Demonstration „Revolutionärer 1. Mai“ von linken und linksextremen Gruppen teilgenommen. Sie versammelten sich am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg. Die Demonstration sollte eigentlich um 18 Uhr beginnen, es kam jedoch zunächst zu Verzögerungen, weil es einen großen Zustrom zur Versammlung gab, wie ein Polizeisprecher sagte. Der Demonstrationszug sollte vom Oranienplatz in Kreuzberg zur Sonnenallee in Neukölln und wieder zurück zum Südstern in Kreuzberg ziehen.

Transparente und Plakate von linken und linksextremen Gruppen waren zu sehen, darunter viele zum Thema Palästina und Israel, gegen den Iran-Krieg, gegen Kapitalismus und Wehrpflicht. „Krieg dem Krieg“ und „Free Palestine“ war auf Transparenten zu lesen. An der Spitze der Versammlung positionierten sich vorwiegend schwarz gekleidete Menschen, die oft mit roten Tüchern vermummt waren.

Demonstranten am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg

Die Polizei hatte vor der Demonstration angekündigt, gegen antisemitische Parolen oder Volksverhetzung strikt vorzugehen. Anders als in vergangenen Jahren sollte die Demonstration aber nicht mehr ganz so eng von der Polizei begleitet werden. Der Grund ist der zunehmend gewaltfreie Verlauf der vergangenen Jahre.

Trotzdem hielt die Polizei zahlreiche Einsatztechnik bereit: Drohnenabwehr, Hubschrauber für Übersichtsaufnahmen, Wasserwerfer für den Notfall, Fahrradstaffeln, Spürhunde, Kommunikationsteams und Klettereinheiten für die Sicherung von Dächern.

15:25 Uhr – Gewerkschaften kündigen Widerstand gegen Sozialkürzungen an

Die Gewerkschaften haben zum Tag der Arbeit harten Widerstand gegen mögliche Einschnitte bei Rente, Gesundheitsversorgung und Sozialleistungen angekündigt. „Wenn man uns angreift, dann wehren wir uns“, sagte die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, bei der zentralen Mai-Kundgebung in Nürnberg. Mit der Kraft und der Energie der Beschäftigten werde es gelingen, „dass wir das Bollwerk bleiben gegen Rückfälle in die Anfangszeiten des Kapitalismus“.

Die Gewerkschaften hatten in diesem Jahr unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ zu den traditionellen Demonstrationen und Kundgebungen zum Tag der Arbeit am 1. Mai aufgerufen. Nach DGB-Angaben nahmen mehr als 366.000 Menschen an 413 Veranstaltungen in ganz Deutschland teil.

DGB-Chefin Yasmin Fahimi

Fahimi rief den Teilnehmern in Nürnberg zu: „Ihr müsst in den nächsten Wochen und Monaten kampfbereit bleiben.“ Die DGB-Chefin machte an die Adresse der schwarz-roten Bundesregierung das kategorische Nein der Gewerkschaften zu einer Abschaffung des Acht-Stunden-Tags und Kürzungen der gesetzlichen Altersversorgung deutlich: „Wer das Sicherungsniveau der Rente angreift, der provoziert einen gesellschaftlichen Großkonflikt“, sagte Fahimi. „Wir sind mobilisierungsfähig gegen diesen Rentenklau, und wir werden ihn abwehren.“

13:55 Uhr – Zehntausende bei Demos und Kundgebungen des DGB in NRW – Wüst mahnt „echtes Miteinander“ an

In NRW haben nach Angaben von Polizei und Deutschem Gewerkschaftsbund (DBG) zehntausende Menschen an Demonstrationen, Kundgebungen und Feiern teilgenommen. Auf der zentralen NRW-Veranstaltung in Mülheim an der Ruhr rief Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) zu einem Bündnis von Gewerkschaften, Arbeitgebern und Politik auf.

„Wir brauchen wieder ein echtes Miteinander“, sagte Wüst in Mülheim an der Ruhr laut Redetext. Für das Vertrauen der Menschen in nötige Reformen der Sozialsysteme sei es wichtig, dass es dabei gerecht zugehe, unterstrich Wüst. Das bedeute auch, dass starke Schultern auch mehr tragen müssten. Um das umzusetzen, müssten alle entscheidenden Kräfte gemeinsam am Tisch sitzen. „Wir brauchen in Deutschland Kooperation statt Konfrontation“, unterstrich Wüst.

12:40 Uhr – Berliner Polizei befürchtet keine größeren Krawalle bei linker Demo

Bei der Demonstration „Revolutionärer 1. Mai“ von linken und linksradikalen Gruppen am Abend in Berlin rechnet die Polizei nicht mit großen Gewaltausschreitungen. „Wir sind gut aufgestellt und auf alles vorbereitet“, sagte Polizeisprecher Florian Nath am Mittag. „Wir rechnen nicht mit größeren Störungen und Zwischenfällen.“ Erwartet werden bis zu 20.000 Demonstranten. Eine Vermummung ist nicht verboten – anders als das Abbrennen von Pyrotechnik.

In den vergangenen Jahren war das Gewaltpotenzial bei der Demo „Revolutionärer 1. Mai“ gesunken. Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel sagte, sie habe den Eindruck, dass der Trend der vergangenen Jahre in Richtung zusehends friedlicher Demonstration und Feiern in den Parks gehe.

Polizisten im Görlitzer Park, Berlin

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Stephan Weh, sagte bei der Plattform X: „Der 1. Mai in Berlin ist wie immer eine große Herausforderung.“ Erst wenn alle Einsatzkräfte gesund nach Hause gingen, sei es ein erfolgreicher 1. Mai gewesen.

11:33 Uhr – Tausende Polizisten alleine in Berlin

Die Bundespolizei sieht sich für mögliche Krawalle am 1. Mai gut gerüstet. Allein in Berlin sei man mit 500 Beamten im Einsatz, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, am Freitag der „Rheinischen Post“. Die Berliner Polizei selbst sei mit gut 5000 Kräften im Einsatz. In den vergangenen Jahren hatte es vor allem in Berlin immer wieder gewalttätige Ausschreitungen gegeben.

Roßkop kündigte ein robustes Auftreten an. „Jedem muss klar sein, dass bei Ausschreitungen konsequent und klar eingeschritten wird“, sagte er. Gewalttätige Ausschreitungen würden mit harten Strafen belegt.

11:26 Uhr – Ablehnung von Feiertagsstreichung

Sachsens DGB-Chefin Daniela Kolbe lehnt eine Streichung des 1. Mai als Feiertag ab. Mit Rezepten aus der neoliberalen Mottenkiste ließen sich die Herausforderungen von heute nicht bewältigen, sagte die Vorsitzende Deutschen Gewerkschaftsbundes im Freistaat.

Aus der Wirtschaft und auch der Politik wird immer wieder der Vorschlag geäußert, Feiertage zu streichen, um das Bruttoinlandsprodukt zu erhöhen. Es müsse vielmehr ein „Zukunftspakt für gute sichere Jobs“ her, sagte Kolbe. Ähnlich hatte sich bereits die Grünen-Vorsitzende Brantner im Interview mit dem „Tagesspiegel“ geäußert.

11:14 Uhr – Hunderte Festnahmen bei Demonstrationen in Istanbul

Bei Protesten anlässlich des 1. Mai in Istanbul sind Aktivisten zufolge hunderte Menschen festgenommen worden. Bis zum frühen Nachmittag seien 370 Menschen festgenommen worden, teilte der Anwaltsverein CHD im Onlinedienst X am Freitag mit. Die Polizei sprühte aus Einsatzfahrzeugen heraus Tränengas auf die Demonstranten, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP mitteilten.

Tausende Menschen hatten sich trotz der hohen Polizeipräsenz in Istanbul und der Hauptstadt Ankara zu Kundgebungen versammelt. In Istanbul wollten die Demonstranten zum zentralen Taksim-Platz marschieren, der seit den regierungskritischen Gezi-Protesten 2013 für Proteste gesperrt ist. Sie wurden durch die Einsatzkräfte daran gehindert. AFP-Journalisten berichteten von teilweise gewaltsamem Vorgehen gegen Demonstrierende. Demnach wurden mehrere Teilnehmer zu Boden geworfen.

In Istanbul kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei

Im Stadtteil Mecediyeköy waren auch Vertreter der marxistischen Partei HPK unter den Demonstrierenden, die skandierten: „USA Mörder, AKP Komplize“. Die AKP ist die Regierungspartei, der auch der islamisch-konservative Präsident Recep Tayyip Erdogan angehört.

Gewerkschaften und Verbände hatten zu den Kundgebungen mit dem Motto „Brot, Frieden, Freiheit“ aufgerufen. Die offizielle Inflationsrate liegt in der Türkei bei über 30 Prozent – laut Handelskammer in Istanbul sogar bei über 40 Prozent. Zudem kommt es regelmäßig zu Verhaftungswellen unter Oppositionellen und Medienvertretern. Anfang der Woche waren im Vorfeld des 1. Mai bereits mehrere Dutzend Menschen in Polizeigewahrsam genommen worden.

Der Gewerkschaftsvertreter Basaran Aksu wurde festgenommen, nachdem er die Absperrungen angeprangert hatte. „Man kann keinen Platz für die Arbeitnehmer der Türkei absperren. Jeder nutzt den Taksim-Platz – für offizielle Zeremonien, für Feierlichkeiten. Nur den Arbeitnehmer, den Arbeitern, den Armen wird der Platz verwehrt“, betonte er.

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