Die Debatte über Rente und Sozialleistungen treibt die Deutschen um. Das zeigen auch eine große aktuelle Umfrage des WDR, die nach den zuvor teils kontrovers diskutierten Reformideen von Kanzler Friedrich Merz erhoben wurde.
Eine Mehrheit der Deutschen will der Befragung zufolge offenbar, dass mehr Einzahler – also auch Selbstständige, Beamte und Politiker – die Rente tragen. Gleichzeitig wollen sie keine Rentenkürzungen und auch keine längeren Arbeitszeiten, und sie sprechen sich zudem dafür aus, dass die Sozialleistungen für Zugewanderte strengeren Regeln unterliegen. Offen wiederum sind die Befragten für eine Rückkehr der Vermögenssteuer, eine Forderung, die die SPD formuliert hat.
Insgesamt 2084 Personen wurden im Auftrag des WDR im Rahmen der ARD-Aktion „Deine Meinung zählt!“ durch das Institut Infratest Dimap. Debattiert werden sollen die Zahlen dann in der Sendung „Arena mit Markus Söder“ (ARD, Montag, ab 21 Uhr).
Laut dieser Erhebung (neben den 2084 Personen stimmten auch 70.000 Menschen online ab) fänden es 66 Prozent der Bürger richtig, wenn Migranten künftig nur noch dann Sozialleistungen in Deutschland bekämen, wenn sie hier längere Zeit gearbeitet hätten. Jeder Vierte (26 Prozent) empfindet das hingegen als falsch.
Im Januar hatte bereits die Kommission zur Sozialstaatsreform der Bundesregierung empfohlen, sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, den Zugang von EU-Ausländern zu Sozialleistungen in Deutschland künftig an eine umfassendere Beschäftigung zu knüpfen. Mehrheitliche Zustimmung erfährt dieser Vorschlag unter Sympathisanten der AfD (91 Prozent), der Union (79 Prozent) sowie der SPD (63 Prozent). Mehrheitlich dagegen sind Menschen, die sich am ehesten der Linken (55 Prozent) bzw. den Grünen (64 Prozent) nahe fühlen.
Nur jeder Dritte glaubt, die Deutschen müssen mehr arbeiten
Forderungen, die Deutschen müssten mehr arbeiten, um den Wohlstand im Land zu sichern, werden der Erhebung zufolge von 63 Prozent der Befragten abgelehnt. Jeder Dritte (32 Prozent) stimmt der Aussage hingegen zu. Bei den Über-70-Jährigen meint jeder Zweite (49 Prozent), man müsste wieder mehr arbeiten, um den Wohlstand in Deutschland zu sichern.
Bei einer Reform der Sozialsysteme unterstützen die Bürger am ehesten Einschnitte in die Arbeitslosenversicherung: Jeder Dritte (33 Prozent) fände Einschnitte an dieser Stelle in der aktuellen Situation richtig. 18 Prozent befürworten Einschnitte in die Krankenversicherung, 16 Prozent in die Rentenversicherung und 13 Prozent in die Pflegeversicherung. Gut die Hälfte (52 Prozent) lehnt Einschnitte in die Sozialsysteme generell ab.
Wenn sich die Deutschen im Falle einer Sozialreform entscheiden müssten, dann würden 40 Prozent höhere Beiträge befürworten, 36 Prozent wären in diesem Fall Kürzungen von Sozialleistungen lieber. Jeder Vierte (24 Prozent) antwortet auf diese Frage mit „weiß nicht“ bzw. macht keine Angabe.
Die gesetzliche Rente auf ein Minimum reduzieren? Nur jeder Vierte will das
Zur Frage, wer in Zukunft die Kosten für die Rente trägt, fände es eine große Mehrheit der Befragten richtig, Beamte, Selbstständige und Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. In der Befragung stimmten dem 86 Prozent zu.
Breite Unterstützung für den Vorschlag gab es demnach in allen Alters- und Einkommensgruppen und von Anhängern aller im Bundestag vertretenen Parteien. Jeder Zehnte hingegen fände das falsch.
Die Beiträge zur Rentenversicherung zu senken, die gesetzliche Rente auf ein Minimum zu reduzieren und dafür stärker auf die Eigenverantwortung der Bürger zu setzen, fände nur jeder vierte Befragte richtig.
Gefragt wurde dann auch, ob die Menschen die Verteilung des Wohlstands in Deutschland als gerecht oder ungerecht empfinden. Eine große Mehrheit der Befragten (81 Prozent) entschieden sich dabei für „ungerecht“, darunter waren Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien. Nur 15 Prozent der Befragten äußerten die Ansicht, dass der Wohlstand in Deutschland gerecht verteilt sei.
Besonders ausgeprägt sei das Ungerechtigkeitsempfinden der Umfrage zufolge in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie in der Region Berlin und Brandenburg, wo es jeweils 90 Prozent ungerecht finden, wie der Wohlstand verteilt ist.
Eine Rückkehr zur Vermögenssteuer wird mehrheitlich begrüßt
Der WDR-Umfrage zufolge sprachen sich auch jeweils eine Mehrheit der Deutschen für eine Rückkehr zur Vermögenssteuer und für eine höhere Erbschaftssteuer aus. Demnach befürworten 64 Prozent der Deutschen eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer. 29 Prozent sprechen sich dagegen aus.
Zustimmung erhält eine Rückkehr zur Vermögenssteuer, die seit 1997 nicht mehr erhoben wird, neben Sympathisanten von Linken (88 Prozent), Grünen (87 Prozent) und SPD (84 Prozent) auch von Menschen, die der Union nahestehen (62 Prozent). Unter AfD-Anhängern sind 52 Prozent dagegen und 42 Prozent dafür.
Eine Erhöhung der Steuer auf hohe Erbschaften wird laut der Umfrage ebenfalls mehrheitlich (61 Prozent) unterstützt; jeder Dritte (32 Prozent) ist dagegen. Auch hierfür zeigen sich Anhänger von Grünen (88 Prozent), Linke (85 Prozent), SPD (78 Prozent) und Union (64 Prozent) mehrheitlich offen, während unter Sympathisanten der AfD 62 Prozent dagegen sind und jeder Dritte (33 Prozent) dafür.
Die Daten wurden durch Infratest dimap zwischen dem 7. und dem 14. April erhoben, befragt wurden die besagten 2084 Menschen aus der deutschsprachigen Bevölkerung (ab 16 Jahren).
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