Die Fahnenträger hatten gerade den Saal verlassen, die Uhr zeigte halb neun abends Ostküstenzeit. Kurz zuvor war die amerikanische Nationalhymne gesungen worden. Auf der Bühne hatten der US-Präsident und seine Frau Melania Platz genommen, neben der Präsidentin der White House Correspondents’ Association, der Vertretung der Reporter für das Weiße Haus. Auch Vizepräsident J.D. Vance saß auf einem der Ehrenplätze. Kriegsminister Pete Hegseth und weitere Kabinettsmitglieder waren an Tischen unmittelbar vor der Bühne platziert.
Nun nahm der versammelte Saal Platz für die Vorspeise, Burrata mit Zuckerschoten. Auch wir an unserem Tisch in der Mitte des Ballraums. Wenige Momente später hörte ich es mehrmals knallen und wunderte mich, dass das Geräusch nicht aus Richtung der Bühne kam, sondern von den Eingangstüren auf der gegenüberliegenden Seite des Saals.
Kurz überlegte ich, ob eine weitere Performance bevorstand. Im selben Moment sah ich mindestens ein halbes Dutzend Männer in Anzügen in den Ballsaal stürmen. „Alle runter! Alle runter!“, schrie einer von ihnen. Gemeinsam mit Kollegen und anderen Gästen krochen wir unter unseren runden Dinnertisch. Es war gespenstisch still im Saal.
Dass dies ein Angriff war, das stand für mich schnell außer Frage. Wie nah der Angreifer oder vielleicht sogar die Angreifer den 3000 Gästen und US-Präsident Donald Trump gekommen war, ließ sich aus dem Saal heraus nicht einschätzen. Aber dass es eine unmittelbare Gefahr gegeben hatte, das hatte mir das klare Hören von Schüssen klargemacht.
Aufnahmen aus dem Saal nach den SchüssenAls wir nach einigen Minuten wieder aus unserer Deckung kamen, war die Bühne leer. Der Secret Service hatte Donald Trump und dessen Frau und das gesamte Kabinett in Sekunden in Sicherheit gebracht. Gerüchte machten sich schnell breit, dass Trump zurückkommen werde.
Eine halbe Stunde später trat Weijia Jiang ans Mikrofon, Reporterin für CBS und Präsidentin der WHCA. Der Präsident hätte das Dinner gern zu Ende geführt, erklärte sie, doch das Sicherheitsprotokoll erzwinge den Saal sofort zu räumen. „Aber er hat zugesagt, das Dinner binnen der nächsten 30 Tage nachzuholen. Und er macht in 30 Minuten im Weißen Haus eine Pressekonferenz – das ist kein Witz!“
Täter sei „einsamer Wolf“ gewesen
Genau zwei Stunden nach dem versuchten Anschlag stand Trump am Redepult im Briefing Room des Weißen Hauses. Vor ihm dieselben Reporter in ihren Ballkleidern und Smokings, die eben noch im Hilton Hotel gespannt auf einen Abend gewartet hatten, der historisch werden sollte. Denn Trump war zum ersten Mal beim Dinner dabei, das er in seiner gesamten ersten Präsidentschaft und im ersten Jahr seiner zweiten Präsidentschaft zu besuchen verweigert hatte.
An seiner Seite FBI-Chef Kash Patel, Heimatschutzminister Markwayne Mullin und den amtierenden Justizminister Todd Blanche, erklärte Trump, der mutmaßliche Attentäter habe „mehrere Waffen“ getragen und sei ein „einsamer Wolf“, ein Einzeltäter, gewesen. Ein Sicherheitsbeamter sei getroffen worden, aber dank seiner kugelsicheren Weste nicht schwer verletzt worden.
FBI-Agenten sichern den Tatort im HiltonZeitgleich kamen die ersten Bilder von Überwachungskameras im Hilton Hotel. Sie zeigen, wie ein Mann in rasendem Tempo an den Metalldetektoren vorbeirennt, durch die wir eine halbe Stunde zuvor selber gegangen waren. Agenten des Secret Service reagieren sofort und eröffnen das Feuer. Kurz darauf wird bekanntgegeben, dass der mutmaßliche Attentäter Cole Tomas A. heißt, 31 Jahre alt ist und in der Nähe von Los Angeles lebte. Er soll Lehrer sein und sich als Gast ins Hilton eingemietet haben. A. ist derzeit im Krankenhaus und soll am Montag dem Richter vorgeführt werden.
„Das nächste Dinner müssen wir sicherer machen“
Gegen zehn Uhr löste sich der Saal auf. Die Gäste mussten ihn durch einen anderen Ausgang verlassen. Der Ausgang, durch den wir hineingekommen waren, ist jetzt ein Tatort. Mir fällt ein, dass wir bei unserer Ankunft zwei Demonstranten gesehen hatten, die sich mitten in die Lobby des Hotels geschmuggelt hatten und lautstark den Rücktritt von Kriegsminister Hegseth wegen des Kriegs im Iran gefordert hatten.
Die Frage der Sicherheit im Hilton, vor dem 1981 ein Schütze den damaligen Präsidenten Ronald Reagan lebensgefährlich verletzte, wird die Behörden in diesen Stunden und Tagen intensiv beschäftigen. „Das nächste Dinner müssen wir sicherer machen“, sagte Trump zum Abschluss seiner Pressekonferenz.
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