Der rund zwölf Tonnen schwere Buckelwal liegt weiterhin in einer eigens angelegten Mulde vor der Insel Poel. Sein Zustand ist kritisch, aber offenbar stabil. Beobachtungen zufolge atmet der Wal derzeit in einem Rhythmus von etwa sechs Minuten.

Am Donnerstagnachmittag war erstmals die neu eingeflogene „Free Willy“-Crew für rund zwei Stunden bei dem Tier, das von den Helfern wahlweise „Timmy“ oder „Hope“ genannt wird. Am Abend gaben die Retter ein vorsichtig optimistisches Update. Tierärztin Kirsten Tönnies erklärte, angesichts der Umstände sei der Zustand des Wals bemerkenswert: Wenn man bedenke, dass der Wal drei Wochen festlag, könne man sich wundern, dass sein Gesundheitszustand noch so gut sei. Auch die Haut habe sich zuletzt sichtbar verbessert, wird Tönnies von der „Bild“-Zeitung zitiert.

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Auch Klaus Kraft von der Tierrettung Mecklenburg-Vorpommern beschrieb die aktuelle Lage laut „Bild“ so: Im Moment sei der Wal „tiefenentspannt“. Der Meeressäuger habe erneut Futter angeboten bekommen und dabei „das Maul ein Stück aufgemacht“ – ein Zeichen dafür, dass er Nahrung aufnehmen könne.

Parallel zu den Rettungsarbeiten laufen politische Abstimmungen über die weitere Vorgehensweise. Die privaten Wal-Helfer wollen am Sonntag oder Montag damit starten. Dafür soll bis Samstagfrüh eine 110 Meter lange, zehn Meter breite und zwei Meter tiefe Rinne vom Liegeplatz des Wals zum tiefen Fahrwasser geschaffen werden, wie der mit den Baggerarbeiten beauftragte Unternehmer Fred Babbel am Donnerstag sagte. 40 Meter seien bereits geschafft, heute sollen demnach weitere 40 Meter folgen.

Derzeit liegt der zwölf Tonnen schwere Meeressäuger in einer künstlich geschaffenen Kuhle. Nun soll eine 110 Meter lange, 10 Meter breite und 2 Meter tiefe Rinne zum tiefen Fahrwasser geschaffen werden. Verfolgen Sie hier dazu alle Entwicklungen im Livestream.

Kritiker sind jedoch skeptisch, ob diese Maßnahme überhaupt Sinn ergibt, weil die Organe des Tiers unter seinem eigenen Gewicht vermutlich bereits Schaden genommen haben könnten. Dennoch traf sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Donnerstagabend mit Vertretern der Initiative. Dabei dürfte es um letzte Details eines überarbeiteten Rettungskonzepts gegangen sein.

Tierärztin Tönnies äußerte sich jedoch kritisch zur Zusammenarbeit mit dem Ministerium. Unter anderem kritisierte sie deutlich das Gutachten von Experten, das im Auftrag des Ministeriums erstellt worden war. Nicht nur, dass sie aus tierärztlicher Sicht „Mängel“ darin sehe; sie hätte auch andere Prioritäten gesetzt sowie zusätzliche Maßnahmen und Messungen durchgeführt.

Noch schärfer fiel ihre Kritik laut „Stern“ an den bislang beteiligten Fachleuten aus: In der Bevölkerung und im Ministerium fehle es an Verständnis für den „Unterschied zwischen Tier-, Arten- und Naturschützern“. Während sie sich als Tierschützerin dem einzelnen Lebewesen verpflichtet fühle, gehe es Arten- und Naturschützern stärker um ökologische Zusammenhänge und das Gleichgewicht ganzer Populationen. Zu dieser Gruppe zählte sie auch jene „Experten“, die die Behörden zuvor beraten hatten. Letztere trügen aus ihrer Sicht eine Mitverantwortung dafür, dass sich die Rettung so lange hinziehe und das Tier entsprechend lange leide.

Auch die US-Tierärztin Jenna Wallace, spezialisiert auf Meeressäuger und kurzfristig Teil des privaten Rettungsteams vor Poel, hat scharfe Kritik an neuen Akteuren und den Abläufen vor Ort geübt. Sie stellt insbesondere die Qualifikation des hinzugezogenen Experten Charles Vinick infrage: Er habe „weder die nötige Expertise noch die erforderlichen Qualifikationen“, sein Fokus liege „ganz klar auf Fundraising, nicht auf Tierwohl“. Auch die Zustände im Team beschreibt sie drastisch: Vor Ort habe „komplettes Chaos“ geherrscht, zentrale Entscheidungen seien widersprüchlich getroffen worden.

Wallace sieht dennoch weiter Chancen für den gestrandeten Wal: Sie habe „ein Tier gesehen, das leben will“ – gleichzeitig fordert sie angesichts der stockenden Rettung ein sofortiges Handeln: „Wenn man nichts tut, wird er auf jeden Fall sterben, also macht jetzt einfach irgendwas.“

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