Christopher Vogt, 42, ist seit 2002 Mitglied der FDP und seit 2009 Abgeordneter des schleswig-holsteinischen Landtags. 2017 wurde er als Nachfolger Wolfgang Kubickis Fraktionschef der Liberalen dort. 2024 übernahm Vogt auch den Landesvorsitz.
WELT: Herr Vogt, Ihr politischer Ziehvater Wolfgang Kubicki will FDP-Bundesvorsitzender werden. Ist das eine gute Idee?
Christopher Vogt: Die FDP braucht in der außerparlamentarischen Opposition dringend mehr bundesweite Wahrnehmbarkeit. Dies würde mit Wolfgang Kubicki definitiv der Fall sein. Das sieht man schon jetzt an der Aufmerksamkeit, die seine Kandidatur erzeugt hat. Ich glaube, dass er uns als Parteichef die Sichtbarkeit zurückgeben würde, die uns zuletzt oft gefehlt hat.
WELT: Ist Kubicki politisch nicht schon längst über seinen Zenit hinaus?
Vogt: Er hat ja selbst deutlich gemacht, dass er nicht die Zukunft der FDP ist, sondern eine Brücke in die Zukunft bauen will. Genau das ist in der jetzigen Situation entscheidend. In den kommenden zwölf Monaten stehen für uns wichtige Wahlen an – in Ostdeutschland, in NRW, und auch hier bei uns in Schleswig-Holstein. Um wieder erfolgreich zu sein, brauchen wir auch eine starke Persönlichkeit im Bund, die mobilisieren kann.
WELT: Und was ist mit NRW-Landeschef Henning Höne, der ebenfalls seine Kandidatur für den Bundesvorsitz angekündigt hat – würde der nicht viel eher für eine neue Dynamik bei der FDP stehen?
Vogt: Ich schätze Henning Höne sehr. In der jetzigen Phase ist Wolfgang Kubicki derjenige, der uns an der Parteispitze am besten helfen kann. Klar ist aber auch: Wir werden beide brauchen.
WELT: Sollte Kubicki Parteichef werden und Höne sein Stellvertreter?
Vogt: Das entscheidet der Parteitag. Wichtig ist vor allem, dass wir wieder mehr Team- und Kampfgeist entwickeln und im Präsidium auch neue Persönlichkeiten aufbauen – auch jüngere Frauen.
WELT: Warum konnte sich ein solcher Geist unter dem bisherigen Parteivorsitzenden Christian Dürr nicht entwickeln?
Vogt: Es gab viele offene Wunden aus der Ampel-Zeit. Das war auch intern schwierig. Christian Dürr hat die Partei zusammengehalten, das rechne ich ihm hoch an. Aber die nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag dringend notwendige Aufbruchstimmung ist leider nicht entstanden.
WELT: Wie sollte sich die FDP nach all den Niederlagen programmatisch aufstellen?
Vogt: Zentral ist für mich das Thema Wohlstand sichern. Viele Menschen haben Abstiegsängste – das stärkt die politischen Ränder. Hier braucht es ein klares Angebot. Nach der Ampel, die zu wenig geliefert hat, haben wir jetzt eine schwarz-rote, über den Bundesrat sogar zum Teil auch schwarz-rot-grüne Koalition, die nichts umgesetzt bekommt. Da müssen wir einhaken und uns zumindest kurzfristig auf einige zentrale Kernbotschaften fokussieren.
WELT: Welche Punkte sollten das sein?
Vogt: Erstens: eine wirtschaftspolitische Wende, damit unser Land seinen Wohlstand erhalten kann. Zweitens: eine faire und funktionierende Migrationspolitik – wer sich integriert, soll bleiben, wer nicht, muss gehen. Drittens: ein konsequenter Abbau von Bürokratie in allen Lebensbereichen. Es muss eine Partei geben, die auf mehr Eigenverantwortung und weniger Bevormundung setzt und die sich dafür einsetzt, dass der Staat bei seinen Kernaufgaben wie Sicherheit, Bildung und Infrastruktur besser wird, sich aber ansonsten wieder stärker zurückhält.
Ulrich Exner ist politischer WELT-Korrespondent und berichtet vor allem aus den norddeutschen Bundesländern.
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