Ein Gericht in Moskau hat den deutschen Bildhauer Jacques Tilly in Abwesenheit zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Tilly habe sich der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte schuldig gemacht, urteilte Richter Konstantin Otschirow in dem Strafverfahren. Außerdem soll Tilly eine Geldstrafe von umgerechnet rund 2000 Euro zahlen und erhielt ein vierjähriges Arbeitsverbot.
Hintergrund sind die von Tilly gebauten Karnevalswagen, die Kremlchef Wladimir Putin und den von ihm befohlenen Krieg in der Ukraine kritisieren. Bereits mehrfach hat er seine Mottowagen Putin gewidmet. Eine Arbeit zeigt den Kremlchef in einer ukrainischen Wanne – in Blut badend.
Tilly reagierte mit Spott: „Es ist jetzt für jeden zu sehen, dass das russische Regime Angst vor Pappfiguren hat“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Die machen sich selbst zum Narren mit diesem Urteil und sehen gar nicht, wie peinlich das eigentlich ist – wie viel Angst sie vor satirischer Kritik haben.“ Er sprach von einem von einem absurden, aber auch schlimmen Urteil. „Dass ich Kritik an Machthabern übe, das gehört sich so in freien Gesellschaften“, sagte er und will nach eigenen Angaben weitermachen.
Auch der deutsche Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff, äußerte sich gegenüber dpa: „Die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland verurteilt dieses absurde Schauspiel in aller Schärfe und wird weiter für freie Meinungsäußerung, Kunstfreiheit und damit auch die Freiheit der Satire eintreten.“
So lief der Prozess ab
Die Staatsanwältin hatte neun Jahre Haft, ein vierjähriges Arbeitsverbot und eine Geldstrafe von umgerechnet einigen Tausend Euro beantragt. Die Pflichtverteidigerin forderte einen Freispruch aus Mangel an Beweisen. Die Verteidigung habe versucht, Kontakt zum Angeklagten aufzunehmen, sei aber gescheitert, die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Moskau konnte den Kontakt nicht vermitteln. „Aufgrund dessen war es nicht möglich, die Ziele und Motive zu beurteilen“, sagte sie. Es fehle eine Expertise, die die Anschuldigungen gegen Tilly bestätigen und die subjektiven Motive der ihm zur Last gelegten Taten feststellen könnte.
In dem seit Monaten laufenden Prozess war immer wieder die Rede von einer Beleidigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dieser Vorwurf fiel am Tag des Urteils nicht mehr konkret. Der Straftatbestand, nach dem Tilly verurteilt wurde, verbietet eine Verunglimpfung der russischen Staatsorgane. Dazu gehört neben den Streitkräften auch Kremlchef Putin. Nach solchen Anschuldigungen wegen angeblicher Verunglimpfung der Armee sind in Russland schon viele Kriegsgegner der von Putin befohlenen Invasion in die Ukraine verurteilt worden. Die Entscheidungen stehen international als Unrechtsurteile der russischen Willkürjustiz in der Kritik.
Besonders um eine Arbeit Tillys ging es in dem Moskauer Prozess. Beschrieben wurde in der Verhandlung mehrfach in aller Ausführlichkeit sein Karnevalswagen aus dem Jahr 2024 mit Figuren von Putin in Uniform und Patriarch Kirill beim homosexuellen Oralverkehr.
Jacques Tilly beim Düsseldorfer Karneval 2022 – im Hintergrund eine seiner InstallationenTilly hatte mehrfach erklärt, dass er nicht von der russischen Justiz über das Verfahren informiert worden sei. Allerdings beobachteten Diplomaten der deutschen Botschaft in Moskau den Prozess in seinem Wissen.
Eine Auslieferung von Deutschland nach Russland muss Tilly nicht befürchten. Probleme kann er aber bei Reisen in Länder bekommen, die von Moskau gesuchte Straftäter an Russland ausliefern. Moskau könnte ihn etwa zur Fahndung bei Interpol ausschreiben.
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