Nur wenige Stunden vor seiner Ansprache an die Nation gab Donald Trump bei einem Oster-Lunch im Weißen Haus eine Vorschau auf seine Rede am Abend. „Ich werde erzählen, wie großartig ich bin“, sagte er den versammelten Gästen. Das Weiße Haus hatte den Livestream des Events offenbar versehentlich auf YouTube veröffentlicht. Mittlerweile ist er offline.

Um 21 Uhr Ortszeit trat der US-Präsident am Mittwochabend vor die Kamera, die seine Ansprache live auf die Fernsehbildschirme der Amerikaner brachte. „Wir haben es alles geschafft“, sagte Trump und zählte auf, welche militärischen Fähigkeiten des Iran man zerstört habe – und das, weil er so weit gegangen ist, „wie kein anderer Präsident willens war, zu gehen.“

Obwohl die iranische Bedrohung nun „ausgeräumt“ ist, wie Trump es den Amerikanern sagte, soll der Krieg weitergehen. „In den nächsten zwei bis drei Wochen werden wir sie zurück in die Steinzeit bringen, wo sie hingehören“, sagte der Präsident und äußerte damit seine bislang drastischste Drohung.

Im Publikum saßen unter anderem Vizepräsident J.D. Vance, Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth, Finanzminister Scott Bessent, Justizministerin Pam Bondi und Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr.

Damit widersprach er dem gesamten ersten Teil seiner Rede, die von Erfolgsmeldungen strotzte. Von „schnellen, entschiedenen und überwältigenden Siegen“ war die Rede. Die iranische Marine sei „weg“, die Luftwaffe „in Ruinen“, die Anführer „tot“, die Revolutionsgarde „dezimiert“, die Raketenfähigkeiten „gestutzt“ und die Waffenfabriken „in Stücke“.

Dies würde es dem iranischen Regime nun verwehren, eine Atombombe zu bauen, so Trump. Man stehe also „kurz vor dem Erreichen der strategischen Ziele“, was „in Kürze“ der Fall sein werde. Weiter beruhigte er die Bevölkerung mit der Ankündigung, dass der Benzinpreis bald „rapide sinken“ und der Aktienmarkt „rapide steigen“ würde.

Doch dann vollzog Trump im letzten Drittel seiner Ansprache eine harsche kommunikative Wende und widersprach seinem bisherigen Narrativ, kurz vor dem Ende des Krieges zu stehen. Man werde „weitermachen, bis unsere Ziele vollständig erreicht sind“. Er blieb dabei vage, wie lange dies dauern würde, und sprach nur von „zwei bis drei Wochen“. Eine Frist, die Trump in der Vergangenheit bereits in anderen Konflikten mehrfach für Durchbrüche oder Deadlines anvisiert hat, ohne sie jemals durchzusetzen. So kündigte er im Rahmen seiner Bemühungen, einen Frieden zwischen der Ukraine und Russland zu vermitteln, mehrfach an, binnen zwei Wochen seinen Kurs gegenüber Wladimir Putin zu verschärfen – was nie geschah.

Ursprünglich hatte Trump die Dauer des Iran-Kriegs auf vier bis sechs Wochen veranschlagt. Mit weiteren zwei bis drei würde er dies überschreiten. Die Drohung, das Land „in die Steinzeit“ zu bringen, widerspricht dem am Beginn der Rede angelegten Narrativ, dass man sich in der Endphase des Krieges befinde, sondern deutet vielmehr auf eine anstehende massive militärische Eskalation.

Ein Abkommen soll weiterhin ausgehandelt werden

Gleichzeitig legte Trump nahe, dass er weiterhin ein Abkommen mit Teheran verhandeln will. Zumindest wiederholte er für den Fall, dass ein solches nicht zustande käme, seine Drohung, die iranischen Elektrizitätswerke und die Öl-Infrastruktur anzugreifen. Damit hatte er dem Regime bereits am Montag gedroht – allerdings mit der zusätzlichen Drohung, auch die Entsalzungsanlagen für die Trinkwasserversorgung ins Visier zu nehmen. Etwas, das er am Mittwoch nicht wiederholte.

Auch der Grund für die Drohung war zu Wochenbeginn noch ein anderer. So hieß es, dass dies geschehe, wenn Teheran die Straße von Hormus nicht „sofort“ öffne. Von diesem Ziel ist Trump nun abgerückt. Die USA seien vom Nahen Osten unabhängig und hätten selbst genug Öl, verkündete er und setzte zu einer Schelte Europas an. „Kauft von den USA und fasst verspäteten Mut und holt euch euer Öl selbst“, wiederholte Trump seine Aussage aus einem Truth-Social-Post vom Montag.

Darin hatte er bereits angedeutet, dass er die Öffnung der Straße von Hormus anderen Staaten überlassen könnte. „Ihr müsst lernen, für euch selbst zu kämpfen“, schrieb er. „Die USA werden nicht für euch da sein, so wie ihr nicht für uns da wart.“

Es war unter anderem der Kurswechsel von Bundeskanzler Friedrich Merz, der Trump verärgerte. Beteuerte der Kanzler zu Beginn des Iran-Kriegs noch, dass er mit dem US-Präsidenten an einem Strang ziehe, änderte er wenige Tage später seine Meinung und gab zu Protokoll, der Krieg sei nicht Angelegenheit der Nato und er hätte ihm davon abgeraten. „Deutschland als größte Wirtschaftsmacht in Europa, die von den meisten US-Truppen beschützt wird, verkennt gerade, wie aufgebracht das amerikanische Volk über eine Regierung ist, die in Washington sagt, man unterstütze die USA und dann diese Unterstützung verweigert“, sagte der ehemalige US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, kürzlich im WELT-Interview.

Neben der Öffnung der Straße von Hormus rückte Trump auch von zwei weiteren Zielen ab. „Regime Change war nie unser Ziel“, sagte er und widersprach damit seiner allerersten Videobotschaft zu Beginn des Krieges. Darin versprach er dem iranischen Volk die Freiheit und versprach, die Bedingungen für ihre Übernahme der Regierung zu schaffen.

Auch die Sicherung der rund 400 Kilogramm hochangereichertes Uran, in dessen Besitz der Iran trotz der im Juni vergangenen Jahres erfolgten Militärschläge gegen seine Atomanlage weiterhin ist, sei kein Ziel mehr. Dies sei so tief unter der Erde begraben, dass es Monate dauern würde, bis Teheran Zugang erhielte, sagte Trump und drohte: „Wenn sie anfangen zu graben, werden wir sie mit Raketen treffen“, schließlich könne man das anhand von Satellitenaufnahmen feststellen. Damit stellte Trump auch diesbezüglich eine weitere – und möglicherweise über einen viel längeren Zeitraum andauernde – Eskalation in Aussicht.

Gregor Schwung berichtet als außenpolitischer Korrespondent über transatlantische Beziehungen, internationale Entwicklungen und geopolitische Umbrüche mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Ukraine und die USA.

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