Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump prüft laut Medienberichten mögliche politische Partner innerhalb des iranischen Machtapparats – darunter auch Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf. Ziel ist es demnach, einen Ausweg aus dem eskalierenden Konflikt mit Teheran zu finden und Verhandlungen zu ermöglichen.

Ghalibaf, 64 Jahre alt und Teil der iranischen Führungselite, wird von Teilen des Weißen Hauses als möglicher Ansprechpartner betrachtet. „Er ist eine heiße Option“, sagte ein Regierungsmitarbeiter. Zugleich betonte er: „Aber wir müssen sie testen – und wir dürfen nichts überstürzen.“ Demnach prüft die US-Regierung mehrere mögliche Kandidaten.

Die Überlegungen deuten darauf hin, dass Washington verstärkt auf eine politische Lösung setzt. Der Konflikt mit dem Iran hat zuletzt die Märkte belastet, Ölpreise steigen lassen und Inflationssorgen verstärkt. Zugleich stellt sich die Frage, wie es politisch in Teheran weitergeht, nachdem Teile der Führung durch militärische Aktionen geschwächt wurden.

+++ Alle Entwicklungen zum Iran-Krieg im Live-Ticker +++

US-Präsident Trump hatte zuletzt von Kontakten zu „sehr soliden“ Figuren innerhalb Irans gesprochen und eine fünftägige Pause bei Angriffen auf Energieinfrastruktur angekündigt. Teheran bestreitet jedoch weiterhin, dass es solche Gespräche gebe.

Neben geopolitischen Überlegungen spielen offenbar auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Demnach will Trump zentrale iranische Ölinfrastruktur verschonen, um Spielraum für künftige Vereinbarungen zu lassen. Ein Regierungsvertreter verwies auf ein mögliches Modell nach dem Vorbild Venezuelas. Ziel sei es, „jemanden zu installieren, der mit uns zusammenarbeitet und uns einen guten Deal gibt – einen ersten Deal beim Öl“.

Im Umfeld des Weißen Hauses gibt es jedoch Zweifel an dieser Strategie. Ein Beobachter aus dem sicherheitspolitischen Umfeld sprach von einem möglichen „taktischen Manöver“ und warnte: „Sie werden sich nicht einfach fügen und Trump ihr Öl überlassen.“

Auch aus der Region kommt Skepsis. Ein Vertreter aus dem Golfraum vermutet, Trump überzeichne den Fortschritt von Gesprächen, um Zeit zu gewinnen und die Märkte zu stabilisieren. „Er verschafft sich Zeit und versucht, die Märkte zu stabilisieren“, sagte er.

Experten sehen zudem strukturelle Grenzen für mögliche Verhandlungen. Der Iran-Analyst Ali Vaez bezeichnete Ghalibaf als „typischen Insider: ehrgeizig und pragmatisch, aber dem System verpflichtet“. Substanzielle Zugeständnisse gegenüber den USA seien daher unwahrscheinlich.

Eine Rückkehr des im Exil lebenden Oppositionspolitikers Reza Pahlavi gilt in Washington hingegen als ausgeschlossen. „Das würde Chaos bedeuten“, hieß es aus Regierungskreisen. Stattdessen konzentriere sich die US-Regierung auf Akteure innerhalb des bestehenden Systems.

Ghalibaf selbst wies Berichte über Gespräche mit den USA zurück. Im Weißen Haus werden solche Aussagen jedoch als taktische Positionierung gewertet. Man befinde sich noch in einer frühen Phase der Sondierung, hieß es: „Wir sind in einer Testphase, in der wir herausfinden wollen, wer aufsteigen kann, wer aufsteigen will und wer es versucht.“

Ziel der US-Regierung sei es, kurzfristig Fortschritte im Konflikt – insbesondere rund um die Straße von Hormus – sowie eine mögliche Waffenruhe zu erreichen. „Der Präsident würde – wie jeder andere auch – Frieden dem Krieg vorziehen“, erklärte ein hochrangiger Regierungsvertreter.

Dieser Artikel erschien zuerst in der WELT-Partnerpublikation „Politico“. Übersetzt, gekürzt und redaktionell bearbeitet von Celine Babachan.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke