Treibt der Krieg im Iran die Menschen nach Deutschland? Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert angesichts der andauernden militärischen Angriffe der USA und Israels auf Teheran eine vorsorgliche Vorbereitung auf steigende Flüchtlingszahlen.

Derzeit sei nicht absehbar, ob deswegen mehr Menschen nach Europa fliehen, sagte Städtebund-Hauptgeschäftsführer André Berghegger der „Augsburger Allgemeinen“. Dennoch sollte Deutschland Unterkünfte und Aufnahmezentren vorhalten. „Hier sehen wir den Bund in der Pflicht, diese Vorhaltekosten für Unterkünfte zu 100 Prozent zu übernehmen“, verlangte der Vertreter der Kommunen. „Kriegsereignisse wie zuletzt im Iran machen deutlich, dass Deutschland und Europa sich in der Flüchtlingspolitik vorbereiten und koordiniert agieren müssen.“

Der deutsche Direktor der UN-Flüchtlingshilfe, Mark Ankerstein, sagte der Zeitung, seit dem Beginn des Kriegs seien deutlich mehr Menschen auf der Flucht. Vorläufigen Schätzungen zufolge liege die Zahl der Binnenvertriebenen bei 4,1 Millionen. „Aber dieser Krieg hat gerade erst begonnen. Sobald die zivile Infrastruktur zunehmend betroffen ist, werden es wohl mehr“, sagte Ankerstein.

„Ich glaube nicht, dass dieser Krieg in wenigen Tagen unter Kontrolle ist. Es wird weitere Fluchtbewegungen geben“, sagte der UN-Flüchtlingshilfe-Direktor voraus.

Transitländer haben Grenzen geschlossen

Der Migrationsforscher Gerald Knaus rechnet allerdings nicht mit einer Flüchtlingswelle Richtung Deutschland. „Auch wenn der Krieg im Iran eskaliert oder das Regime stürzen sollte, ist derzeit kaum zu erwarten, dass viele Menschen nach Europa fliehen“, sagte er der Zeitung.

Da viele Staaten der Region ihre Grenzen stark gesichert hätten, fehlten derzeit realistische Fluchtwege nach Europa. Knaus leitet in Berlin die Denkfabrik European Stability Initiative und berät Regierungen zum Thema Migration und Flucht.

Ähnlich schätzt das der Migrationsforscher Jochen Oltmer von der Universität Osnabrück ein. Aufnahme- und Transitländer wie die Türkei, Griechenland und Bulgarien hätten ihre Grenzen dichtgemacht, sodass „kaum ein Durchkommen“ sei, sagte er vor wenigen Tagen dem Evangelischen Pressedienst.

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