Nach dem Skandal um eine mutmaßliche Vergewaltigung in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln bleibt die Einrichtung vorerst geschlossen. Das gab die zuständige Bezirksstadträtin Sarah Nagel (Linke) am Montag bekannt. Zugleich wies sie Vorwürfe zurück, es habe Versuche gegeben, eine mutmaßliche Vergewaltigung und Übergriffe zu vertuschen. Darauf deuten auch Recherchen von WELT hin.
Der Jugendclub ist bereits seit Freitag geschlossen, wie ein Sprecher des Bezirksamtes Neukölln mitteilte. Laut Jugendstadträtin Nagel werden derzeit Schutzkonzepte der Einrichtungen ebenso überprüft wie interne Strukturen und Abläufe. Es werde ein Konzept für Schulungen zur Sensibilisierung der Mitarbeiter erstellt, so die Linke-Politikerin.
„Mein Ziel ist, dass sich alle Kinder und Jugendlichen in den Einrichtungen unseres Bezirks sicher und wohlfühlen können“, schreibt Nagel in einer Mitteilung. Sexualisierter Gewalt und patriarchalen Strukturen, die diese begünstigen, müsse konsequent begegnet werden. „Weiter ungeklärt ist die Frage, ob die Rahmenbedingungen zum institutionellen Kinderschutz in der Einrichtung ausreichend waren.“ Diese sowie zahlreiche weitere Fragen sollen in den kommenden Wochen geklärt werden.
Sie begrüße zudem, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen hat und hoffe, „dass diese Ermittlungen zu einer objektiven Aufklärung der Vorgänge beitragen werden“. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe seien zahlreiche Unterlagen gesichtet und Gespräche mit Mitarbeitern des Jugendamtes geführt worden. „Die Aufklärung der gesamten Vorgänge wird mit Einbindung externer Stellen weitergehen“, kündigt Nagel an. Dafür strebe sie eine Zusammenarbeit mit einem „unabhängigen Akteur mit Fachexpertise“ an.
Die „Bild“-Zeitung hatte zuerst über die Vorfälle in dem Jugendzentrum berichtet. Das 16-jährige Vergewaltigungsopfer soll einen kurdischen Hintergrund haben. Laut „Bild“ handelt es sich bei den Tätern um arabischstämmige Jungen. Jugend-Staatssekretär Falko Liecke (CDU) sagte gegenüber der Zeitung: „Es ist ein Unding, dass hier offensichtlich die muslimischen Täter geschützt werden, um sie nicht zu stigmatisieren, und das Opfer wird im Stich gelassen. Diese Haltung ist ein völliges No-go.“
„Es gab keinerlei Versuch, die Vorwürfe zu vertuschen“
Bezirksstadträtin betonte: „Es gab keinerlei Versuch, die Vorwürfe zu vertuschen.“ Die Mitarbeitenden der Einrichtung sowie die zuständigen Mitarbeitenden im Jugendamt hätten mehrfach über die Vorfälle in der Einrichtung und den richtigen Umgang damit gesprochen. Dabei seien auch die Kinderschutzkoordination des Bezirksamtes sowie Einrichtungen zur Beratung im Umgang mit sexueller Gewalt einbezogen worden.
Unter weiter: „Das betroffene Opfer wurde im gegenseitigen Einverständnis durch einen qualifizierten Träger der Mädchenarbeit betreut, der das Vertrauen des Opfers hat. Das Jugendamt hat zunächst entschieden, nur dann eine Strafanzeige zu stellen, wenn hierfür auch das Einverständnis des Opfers vorliegt. Dies entspricht einer üblichen Vorgehensweise im Umgang mit Kindeswohlgefährdung bei Jugendlichen, sofern keine akute Gefahr besteht. Der Hintergrund der Täter spielte zu keinem Zeitpunkt eine Rolle für den Umgang mit den Vorfällen, wie dies in diversen Medienberichten behauptet wird.“
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