Ein Helikopter hebt in der Dämmerung von einer Landebahn ab. Nachtsichtaufnahmen aus der Luft zeigen, wie Soldaten in geordneter Formation in Militärhubschrauber einsteigen. Dann bricht die Aufnahme ab und vor einer animierten Gewitter-Kulisse erscheint das Wappen des United States Southern Command, das die US-Militäroperationen in Mittel- und Südamerika sowie in der Karibik koordiniert.
Das Video veröffentlichte das US-Pentagon Anfang März auf seinem X-Kanal und erklärte dazu, man ergreife gemeinsam mit Ecuador „entschlossene Maßnahmen gegen Narco-Terroristen“. Diese Militäroperationen seien ein starkes Signal an lateinamerikanische Partner im Kampf gegen den Drogenhandel. Später wurde bekanntgegeben, dass die ecuadorianischen Streitkräfte mit Hubschraubern, Flugzeugen, Drohnen und Booten gezielt gegen Trainingslager und Nachschubzentren krimineller Gruppen nahe der kolumbianischen Grenze vorgegangen waren. Bei mindestens 44 Angriffen sollen mehr als 150 Kriminelle getötet worden sein. US-Soldaten waren mutmaßlich nicht direkt an den Auseinandersetzungen beteiligt. Doch laut Medienberichten sind seit Dezember Dutzende US-Militärs in Ecuador, die die Streitkräfte bei der Planung und Durchführung von Operationen unterstützen.
Donald Trump begreift den Drogenhandel als Bedrohung für die nationale Sicherheit und will mit aller Macht verhindern, dass illegale Substanzen wie Kokain in die USA gelangen. Dafür braucht er die Hilfe der Regierungen jener Länder, in denen die Droge produziert und geschmuggelt wird. Nur wenige sind für diesen Plan so wichtig wie Ecuador, das sich binnen weniger Jahre zum weltweiten Hauptexporteur des weißen Pulvers entwickelt hat.
Mögliche Signalwirkung für andere Länder
Ecuadors Präsident Daniel Noboa hat die USA als erster Staatschef der Region wiederholt und ausdrücklich um militärische Unterstützung im Drogenkrieg gebeten. Für Donald Trump ist es eine willkommene Einladung und ein wichtiger Baustein seines Projekts, den Drogenhandel in Lateinamerika zu bekämpfen.
Washington will das Schmuggelproblem lösen und hat zum weitreichenden Einsatz von Militär aufgerufen. Dabei setzt es auf spektakuläre Aktionen wie den Abschuss mutmaßlicher Drogenboote in der Karibik und im Pazifik. Sicherheitskooperationen haben die USA zwar auch mit Mexiko oder Kolumbien – doch die beiden Länder wehren sich vehement gegen Washingtons Versuche, amerikanisches Militär an Schlägen gegen Drogenbanden und Kartelle zu beteiligen.
Ecuador könnte deshalb Signalwirkung für andere Länder haben – und Trump für weiteren Druck auf die Linksregierungen in Mexiko und Kolumbien Argumente liefern. Das hängt allerdings davon ab, welche Ergebnisse die Aktionen in Ecuador bringen. Wenige Tage vor den Militärschlägen rief Trump beim Gipfel „Shield of the Americas“ in Miami eine Anti-Kartell-Koalition aus zwölf Staaten ins Leben. Seine Botschaft an die Partner war klar: „Ihr werdet euer Militär einsetzen.“
Ein Ansatz, den niemand so vorbehaltlos unterstützt wie die ecuadorianische Regierung. Deren rechtslibertärer Präsident hatte sein Amt Ende 2023 angetreten, als Ecuador bereits die höchste Mordrate auf dem Kontinent verzeichnete. Wenige Monate später drangen schwer bewaffnete Gangster in das Studio eines Nachrichtensenders ein. Die ganze Welt konnte so den Kontrollverlust des Staates live miterleben.
Ecuadors Präsident ändert den Kurs seines Landes
Anschließend rief Noboa einen „internen bewaffneten Konflikt“ aus. Er stufte rund 20 Drogenbanden als terroristische Organisationen ein, was den Streitkräften weitreichende Befugnisse verleiht. Seither gehen Polizei und Militär in koordinierten Aktionen massiv gegen die Banden vor. Gesetze wurden verschärft, Ausgangssperren verhängt, allein im vergangenen Jahr beschlagnahmten Behörden 290 Tonnen Kokain.
Doch diese Maßnahmen haben das Land bisher nicht befriedet. Im Gegenteil: 2025 war das tödlichste Jahr in der Geschichte Ecuadors. Laut Daten des Thinktanks InSight Crime hat es 50,6 Morde pro 100.000 Einwohner gegeben, doppelt so viele wie im benachbarten Kolumbien.
Experten warnen davor, sich ausschließlich auf den Einsatz des Militärs zu verlassen. Demnach kann der Druck auf kriminelle Gruppen kurzfristig zu weniger Drogenexporten und Morden führen. Die tief verwurzelten Strukturen der Kartelle würden dadurch aber kaum berührt. Sicherheitsexpertin Glaeldys González von der Organisation International Crisis Group warnt vor einem Jojo-Effekt: „Das Militär rückt in ein Gebiet ein, verhaftet und beschlagnahmt und zieht dann wieder ab.“ Es fehle ein langfristiger, integraler Ansatz: „Man bekämpft die Symptome, nicht die Krankheit.“ Sie und andere Experten betonen, dass kritische Versäumnisse der Vorgängerregierungen aufgeholt werden müssen.
Der 2007 gewählte linksgerichtete Präsident Rafael Correa hatte einst die Zusammenarbeit mit Washington aufgegeben: Er schloss eine US-Militärbasis zur Drogenbekämpfung und verwies amerikanische Soldaten sowie Agenten der Anti-Drogen-Behörde DEA des Landes.
Zudem blieb eine dringend notwendige Gefängnisreform aus. Heute sind die Strafanstalten des Landes völlig überfüllt und werden von Banden kontrolliert, die aus den Gefängnissen heraus ihre Drogengeschäfte und blutige Machtkämpfe koordinieren. Mitverantwortlich für die Gewalt ist auch die explodierte Kokain-Nachfrage in den USA und Europa. Internationale Verbrechersyndikate aus Mexiko und Albanien konnten ihren Einfluss mit wechselnden Allianzen vor Ort festigen und treiben das Blutvergießen weiter an.
Ecuadors Präsident hat aus der Politik seiner Vorgänger entgegengesetzte Konsequenzen gezogen: Er lud Außenminister Marco Rubio und Heimatschutzministerin Kristi Noem zu Staatsbesuchen ein. Diese Woche eröffnete zudem ein FBI-Büro in Ecuadors Hauptstadt Quito.
Skepsis in Ecuador und der Region
Nach offizieller Aussage haben die US-Streitkräfte bisher nur eine beratende Rolle in Ecuador eingenommen. Doch laut González gibt es auffällig wenig Informationen darüber, wie genau sie in die Operationen eingebunden sind. „Ich halte es für möglich, dass es irgendwann zu einer direkten Beteiligung von US-Soldaten in Zusammenarbeit mit ecuadorianischen Kräften kommen wird“, sagt die Expertin. „Ich glaube, was wir in Ecuador sehen, ist eine Art Pilotprojekt – ein Test, wie weit die Beteiligung der USA gehen kann“, sagt sie.
„Ich erwarte, dass sich solche Kooperationen ausweiten – Ecuador öffnet dafür die Tür.“ Es wäre ein beispielloser Schritt. Nicht einmal in Kolumbien, dem engsten Militärpartner der USA in der Region, waren amerikanische Soldaten je direkt an Kampfeinsätzen beteiligt. Überraschend wäre der Schritt aber nicht, denn Präsident Noboa hat den Einsatz ausländischer Soldaten in seinem Land explizit begrüßt. Doch bei aller Nähe zu Trump: In der Bevölkerung ist das Engagement der Amerikaner umstritten. Erst im vergangenen September scheiterte ein Referendum, das den Bau einer US-Militärbasis in Ecuador erlaubt hätte.
Trumps Projekt hat noch weitere Schwachstellen. Ecuador ist zwar zum wichtigsten Umschlagplatz für Kokain geworden, doch die anderen entscheidenden Länder im Kokaingeschäft – Kolumbien, Brasilien und Mexiko – lehnen direkte US-Militäreinsätze auf ihrem Territorium kategorisch ab. Sie halten Trump trotz vorsichtiger Kooperationsbereitschaft auf Abstand. Solange das so bleibt, ist Ecuador weniger ein Wendepunkt im Drogenkrieg als ein Experimentierfeld an den Rändern des eigentlichen Problems.
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