Aus Sicht der Pädagogikprofessorin Margit Stein gehört Mobbing mit religiösen Hintergründen zum Alltag an deutschen Schulen. Bei Studien zu religiös motivierten Konflikten in Schulen habe ein Drittel der Befragten von solchen Auseinandersetzungen berichtet, zum Beispiel im Kontext mit Fasten, Kleiderordnungen und anderen kontroversen Themen wie Gleichgeschlechtlichkeit und Sexualkunde. „Und ein Viertel der Befragten hat diese Konflikte als radikalisiert wahrgenommen“, sagte die Professorin von der Universität Vechta dem Portal „ZDF heute“.
An einer Gesamtschule in Kleve am Niederrhein sollen während des noch laufenden Fastenmonats Ramadan nicht fastende Kinder mit ihrem Pausenbrot fastende muslimische Mitschüler provoziert haben. Auch sollen fastende Kinder andere aufgefordert haben, ihr Pausenbrot wegzuwerfen und auch zu fasten. Die Bezirksregierung Düsseldorf hatte nach den Vorfällen darauf hingewiesen, dass niemand gezwungen werden dürfe, seine Religion in einer bestimmten Weise auszuüben.
Eine neue Islamismus-Studie des BKA zeigt: Fast jeder zweite Muslim in Deutschland unter 40 Jahren ist latent oder manifest islamismusaffin. WELT-Redakteur Sebastian Vorbach analysiert die Studie und den jüngsten Vorfall an einer Schule in Kleve.„Was da in Kleve wohl passiert ist, ist eigentlich ein typisches Beispiel für das, was uns auch in unserer Forschung oft begegnet“, sagte Stein. Es gebe an Schulen interreligiöse Konflikte und intrareligiöse Konflikte, also auch zum Beispiel innerhalb der muslimischen Community. Schüler würden beispielsweise gemobbt, weil sie vermeintlich zu wenig streng fasten oder kein Kopftuch tragen.
Lehrkräfte seien bei diesen religiösen Konflikten sehr ängstlich, „mischen sich da ungern ein, wenn der Konflikt von einem muslimischen Schüler ausgeht, weil sie sich, so sagen sie, im Islam nicht auskennen“. „Aber darum geht es gar nicht, was der Schüler denkt, was falsch oder richtig ist. Es geht darum, pädagogisch immer Mobbing zu unterbinden“, sagte die Expertin.
„Jeder kann glauben, was er möchte, aber er darf anderen das nicht aufoktroyieren. Es geht darum, die Freiheit des anderen zu achten“, sagte Stein.
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