Während der US-Präsident in Miami vor einem handverlesenen Zirkel von Staats- und Regierungschefs aus Lateinamerika das Ende der kubanischen Diktatur verkündet, schlagen die Menschen in Havanna wieder einmal mit dem Löffel auf die Kochtöpfe. Zwischen diesen berühmten „Cacerolazos“ (Kochtopf-Protesten) mischen sich Rufe wie „Nieder mit dem Kommunismus“ oder „Schaltet den Strom an“. Zwischen Miami und Havanna liegen gerade mal 345 Kilometer und doch trennen die beiden Städte volkswirtschaftliche Welten.
Kuba hat seit Jahren in Folge einer planwirtschaftlichen Fehlentwicklung mit einer Versorgungskrise auf allen Ebenen zu tun. Nun verschärft ein Ölboykott der Amerikaner die Lage auf der kommunistisch regierten Karibik-Insel dramatisch. Kuba bekommt praktisch kaum noch Öllieferungen, die es aber für seine veralteten, maroden Strom-Kraftwerke braucht. Es kommt immer wieder zu stundenlangen massiven Stromausfällen.
Donald Trump riecht die Schwäche der bei großen Teilen der Bevölkerung in Ungnade gefallenen linken Eliten in Havanna: „Kuba steht am Ende des Weges, ganz am Ende“, erklärte Trump auf dem Gipfeltreffen „Shield of the Americas“ in seinem eigenen Golf- und Countryclub in Doral. Dann versprach er den Kubanern eine verheißungsvolle Zukunft: „Es wird ein neues Leben kommen, aber derzeit befindet es sich in seinen letzten Momenten.“
Trump lud zwölf ranghohe Staats- und Regierungschefs aus Lateinamerika ein, die ihm politisch nahestehen und die er als Partner betrachtet. Darunter El Salvadors Präsident Nayib Bukele, der für seine harte Hand gegen die gefürchteten Maya-Banden im Land bekannt ist. Oder Argentiniens libertärer Präsident Javier Milei, der vor zwei Jahren eine abgestürzte Volkswirtschaft übernahm und das Land nun erst einmal stabilisieren konnte.
Deutliches Signal an China
Das Treffen in Miami war aber vor allem eine Machtdemonstration gegenüber China. Denn in der Realität geht es Trump vor allem darum, den Einfluss Chinas in der Region zurückzudrängen. Und dieses Anliegen liegt wie ein roter Faden über allen Entscheidungen, die die aktuelle US-Administration derzeit fällt.
Kuba ist und Venezuela war ein enger politischer Verbündeter Pekings. Doch seit Trump Anfang Januar in einer spektakulären Militäraktion Machthaber Nicolas Maduro verhaften ließ, scheint der verbliebene Rest des sozialistischen Machtapparates um Interims-Präsident Delcy Rodriguez zu tun, was der US-Präsident anordnet. Und da geht es vor allem darum, den USA die riesigen Ölvorkommen zu sichern und Chinas Zugang zu erschweren. Inzwischen haben die Amerikaner auch die anderen Rohstoffe im Orinoco-Gürtel im Blick. Zwar redet US-Außenminister Marco Rubio immer wieder von der Vorbereitung einer demokratischen Transition in Venezuela, Trump aber würde offenbar alles am liebsten so lassen wie es ist.
Während die USA in Lateinamerika verloren gegangenes politisches Terrain zurückholen, muss China herbe Rückschläge einstecken. Rund um den Panama-Kanal, den Trump zu Beginn seiner zweiten Amtszeit für die USA „zurückholen“ wollte, gab es Gerichtsurteile die zwei chinesische Hafenbetreiber in Bedrängnis brachte. Inzwischen droht Peking damit, seine Investitionen in Panama zu überdenken. Die USA absolvieren gemeinsame Manöver in Panamas Dschungel. In Peru baute China den neuen Mega-Hafen Chancay, der die Handelsströme an der südamerikanischen Pazifikküste zu Gunsten Pekings neu sortieren soll. Es gibt Berichte, dass Peking diesen Hafen auch militärisch nutzen könnte.
Nun machte Trump Peru den Vorschlag zum Nato-Partnerland zu werden. In Ecuador starten die USA und das südamerikanische Land gemeine Militäroperation gegen den Drogenhandel. In Chile streiten sich die linke Noch-Regierung von Präsident Gabriel Boric und sein konservativer Nachfolger Jose Antonio Kast über ein chinesisches Unterseekabel. Die USA sehen darin ein Sicherheitsrisiko für den ganzen Kontinent und verhängten Sanktionen gegen die verantwortlichen Entscheidungsträger.
Kuba: Widerstand gegen alles, was aus den USA kam – bis jetzt
Doch über allem steht die Zukunft Kubas. Die Karibikdiktatur war schon immer eine politische Ikone der Linken. Trotz massiver Menschenrechtsverletzungen, Folter und tausender Flüchtlinge, die auf offener See ertranken. Die Identität der kubanischen Revolution speiste sich aus dem Widerstand gegen alles, was aus den USA kam. Bis jetzt. „Sie wollen verhandeln und verhandeln mit Marco, mir und einigen anderen“, sagte Trump. Viele würden ihn ansprechen und bitten, dass er sich Kuba annehmen möge. „Ich kümmere mich darum“, sagte Trump unter lautem Beifall im Saal.
Wie das konkret aussieht, ist ungewiss. Außenminister Rubio, ein Kind kubanischer Einwanderer, gehört zu den treibenden Kräften innerhalb der US-Regierung. Ob Kuba militärisch „befreit“ werden soll oder durch einen Wechsel an der Spitze nach dem Vorbild Venezuelas, ließen die Beteiligten offen.
Die USA befinden sich mit einem Enkel der alles dominierenden Familie von Raul und Fidel Castro in Gesprächen. Zuletzt hatte Trump erklärt, es sei ein großer Vorteil für die Durchsetzung der amerikanischen Interessen gewesen, dass die „Befehlsketten“ in Venezuelas Machtapparat nach dem Maduro-Coup intakt geblieben seien. So etwas ist offenbar auch auf Kuba denkbar: Ein neues Gesicht an der Spitze, dass die privatwirtschaftliche Öffnung hin zu Amerika vorantreibt.
In Florida selbst, wo rund eine Million Menschen mit kubanischen Wurzeln leben, gibt es innerhalb der exil-kubanischen Community eine hektische Betriebsamkeit. So berichtet der „Miami Herald“, dass immer Exil-Kubaner darüber nachdenken, auf die Insel zurückzukehren, würden sich die Machtverhältnisse dort ändern. Die republikanische Senatorin Erin Grall aus Vero Beach hat bereits einen Änderungsantrag zu einem Gesetz eingebracht, um Florida auf den freien Handel mit einem künftig privatwirtschaftlich organisierten Kuba vorzubereiten. Das wäre dann das Ende des jahrzehntelangen Kuba-Embargos. Was noch fehlt, ist eine Führungsfigur in Havanna, die vom Feind der USA zum Freund Washingtons wird.
Tobias Käufer ist Lateinamerika-Korrespondent. Im Auftrag von WELT berichtet er seit 2009 über die Entwicklungen in der Region.
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