In den frühen Morgenstunden des 3. Januars hatte Donald Trump Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro in einer spektakulären Militäraktion gefangennehmen lassen. Rund zwölf Stunden sollten vergehen bis der US-Präsident in seiner Mar-a-Lago-Residenz vor die Kameras trat und verkündete: „Wir übernehmen jetzt die Führung Venezuelas.“
Weitere 24 Stunden später gab Außenminister Marco Rubio Details darüber bekannt, wie sich Washington die unmittelbare Zukunft des südamerikanischen Landes vorstellte. Durch die Seeblockade der Öltanker stehe der US-Regierung das nötige Druckmittel zur Verfügung, so Rubio. Er habe bereits mit Maduros Vize Delcy Rodriguez gesprochen. Geradezu nahtlos übernahm die zweite Garde nach dem Verrat am eigenen Präsidenten unter Oberaufsicht der USA die Geschäfte.
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Acht Wochen später fielen die Bomben auf Teheran. Aber was Trump für die unmittelbare Zukunft des Iran plant, das ist auch zwei Tage nach Beginn des Angriffs nicht erkennbar. Trump hatte bis Sonntagabend Ostküstenzeit zwei Videobotschaften zum Iran-Angriff auf seine „Truth Social“-Plattform gestellt, jedoch keine Pressekonferenz gegeben und nur vereinzelt mit Journalisten per Telefon kurze Interviews geführt.
In diesen Telefonaten machte der US-Präsident vage Andeutungen, ein „Caracas-Modell“ in Betracht zu ziehen. „Was wir in Venezuela gemacht haben, war meiner Meinung nach perfekt, das perfekte Szenario“, erklärte Trump der „New York Times“. Das gesamte Regierungspersonal habe seinen Job behalten – „bis auf zwei Leute“. Gemeint waren Maduro und dessen Frau Cilia Flores.
Trump setzt auf Kurswechsel unter verbliebenen Führungsfiguren im Iran
Im Gespräch mit „The Atlantic“ hatte Trump zuvor angedeutet, dass es Kontakte gebe mit Führungsfiguren in Teheran, die die Bombardierung überlebt haben. „Sie wollen reden, und ich habe zugestimmt zu reden, also werde ich mit ihnen sprechen. Sie hätten es früher tun sollen. Sie hätten das, was sehr praktisch und leicht umzusetzen war, früher gewähren sollen. Sie haben zu lange gewartet“, erklärte Trump in einem Interview mit „The Atlantic“.
Aus Trumps Formulierungen schließen Beobachter in Washington den Schluss, dass der Präsident den Abschluss eines Deals über das Atomprogramm weiterhin nicht ausschließt. Auf Nachfragen, wer die möglichen neuen Verhandlungspartner in Teheran seien, blieb der US-Präsident eine Antwort schuldig.
Trump gestand ein, dass nach der Bombardierung kaum mehr Ansprechpartner in Teherans Machtzentrum verblieben seien. „Die meisten dieser Leute sind weg. Einige der Personen, mit denen wir es zu tun hatten, sind nicht mehr da, weil das ein großer – ein wirklich großer Schlag war.“
Zugleich bleiben Trumps angedeutete Pläne widersprüchlich. Das verdeutlichte ein weiterer Aspekt aus dem „New York Times“-Interview. In diesem brachte Trump auch die Idee an, dass nun „das iranische Volk“ die Macht übernehmen werde. „Sie haben darüber seit Jahren gesprochen, jetzt haben sie offensichtlich die Gelegenheit dazu.“ Sie sollten mutig und heldenhaft sein. Er, Trump, habe sein Versprechen gehalten – „der Rest ist jetzt eure Aufgabe“, erklärte der Präsident auch in seiner Videobotschaft am Sonntagabend.
Ein Ansatz, der komplett im Gegensatz steht zu einer Einigung mit den verbliebenen Mullahs. Einig scheint Trump hingegen mit Israels Premier Benjamin Netanjahu zu sein, dass der Krieg noch heftiger werden und noch einige Zeit dauern wird. Trump sprach am Sonntag konkret von „vier bis fünf Wochen“.
Wie schnell sich die Kampfzone ausweitet, machte in der Nacht zum Montag eine Meldung aus dem Vereinigten Königreich deutlich. Das britische Verteidigungsministerium teilte mit, dass sein Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern von einer Drohne getroffen worden sei. Bei dem Vorfall nahe der Hafenstadt Limassol sei niemand verletzt worden. Unklar war zudem, wer die Drohne abgefeuert hatte. Premier Keir Starmer hatte dem US-Militär erst am Sonntag die Nutzung britischer Basen für „defensive“ Angriffe zur Zerstörung iranischer Raketen und Raketen-Abschussrampen erlaubt.
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