Nicht einmal ein Drittel der Deutschen hält die gesetzliche Rente für generationengerecht. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Yougov im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Sie liegt dem „Tagesspiegel“ exklusiv vor und wird am Dienstagnachmittag veröffentlicht.
Demnach stimmten nur 29 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass die gesetzliche Rente die Interessen jüngerer und älterer Generationen gleichermaßen berücksichtige. Stattdessen sagten 38 Prozent, dass die Interessen älterer Menschen Vorrang haben. Dieser Meinung sind vor allem Menschen, die bei der Bundestagswahl im Februar die Grünen, die FDP oder die Linke gewählt haben. Dagegen stimmte der Aussage nur ein Fünftel der AfD-Wähler zu.
„Ein Rentensystem kann nur dauerhaft stabil sein, wenn es als fair wahrgenommen wird“, sagte Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV, dem Tagesspiegel. Er sieht in den Umfrageergebnissen ein klares Signal für den Reformbedarf. „Die rentenpolitischen Beratungen bieten jetzt die Chance, tragfähige Lösungen zu entwickeln, die den Interessen aller Generationen gerecht werden.“
68 Prozent wenig zuversichtlich hinsichtlich einer Rentenreform
Die Bundesregierung hat zu Beginn des Jahres eine Rentenkommission eingesetzt, die bis zum Sommer 2026 Vorschläge für eine langfristig tragfähige und generationengerechte Ausgestaltung der Alterssicherung erarbeiten soll.
Offenbar ist jedoch die Skepsis groß, ob das auch gelingen wird. Über zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) sind gar nicht oder nur wenig zuversichtlich, dass die Rentenkommission Reformvorschläge vorlegen wird, mit denen das Rentensystem insgesamt langfristig stabilisiert werden kann. Am größten ist die Skepsis unter älteren Menschen sowie unter denen, die bei der letzten Bundestagswahl AfD gewählt haben.
Generationengerechter könnte man das Rentensystem aus Sicht der Befragten primär dadurch machen, dass man den Kreis der Beitragszahler erweitert. So sprachen sich fast zwei Drittel dafür aus, etwa Beamte oder Selbstständige in das gesetzliche Rentensystem einzubeziehen. Fast die Hälfte wünscht sich eine stärkere Förderung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge. Ein Viertel ist für einen höheren Steuerzuschuss sowie eine Anpassung des Renteneintrittsalters.
„Mehr Beitragszahler können kurzfristig entlasten“, sagt Asmussen. „Dauerhaft lösen sie das demografische Problem jedoch nicht, weil zusätzliche Einzahler auch eigene Ansprüche erwerben.“ Aus seiner Sicht muss die Bundesregierung künftig noch stärker auf Kapitaldeckung setzen. Lars Klingbeils Reformvorschlag für die private Altersvorsorge wird am Donnerstag erstmals im Bundestag beraten.
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