Statt Marktplätzen in Baden-Württemberg steht für AfD-Politiker Markus Frohnmaier in den letzten Tagen vor der Landtagswahl die US-Hauptstadt auf dem Programm. Wie aus einer Recherche des neuen „Politico“-Podcasts „Inside AfD“ hervorgeht, will der Spitzenkandidat vom 2. bis 5. März nach Washington reisen – nur drei Tage vor Landtagswahl am 8. März.

In Washington soll Frohnmaier auf dem Kongress „Alliance of Sovereign Nations“ („Allianz der souveränen Nationen“) sprechen, einer Veranstaltung von „Turning Point Action“, bei der die AfD als Veranstaltungspartner auftritt. „Turning Point“ ist eine von dem konservativ-evangelikalen Aktivisten Charlie Kirk gegründete Organisation, die mittlerweile als die Jugendorganisation der MAGA-Bewegung gilt; Kirk wurde im September 2025 bei einer Diskussionsveranstaltung seiner Organisation auf dem Campus einer Universität in Utah erschossen.

Neben Frohnmaier werden unter anderem die republikanische Kongressabgeordnete Anna Paulina Luna sowie der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, erwartet. Johnson steht in der protokollarischen Rangordnung der USA auf Platz drei hinter Präsident Donald Trump und Vizepräsident J.D. Vance.

Hier können Sie den wöchentlichen Podcast „Inside AfD“ von POLITICO-Reporterin Pauline von Pezold und WELT-Politikredakteur Frederik Schindler hören: Spotify, Apple Music, Amazon und YouTube.

Frohnmaier verteidigt die Reise — mitten im Wahlkampf — als notwendig: Sie diene der „aktiven Corporate Diplomacy und damit der konkreten Sicherung baden-württembergischer Arbeitsplätze“, sagt er in dem „Politico“-Podcast. „Die Vereinigten Staaten sind mit einem Handelsvolumen von über 53 Milliarden Euro und einem Exportanteil von 14,4 Prozent unser wichtigster außereuropäischer Wirtschaftspartner. Zehntausende Arbeitsplätze, insbesondere in der Automobilindustrie mit über 315.000 direkt Beschäftigten und einer Exportquote von mehr als 77 Prozent, hängen unmittelbar von stabilen transatlantischen Beziehungen ab.“

Er sehe es als seine „Pflicht, den direkten Austausch mit unseren amerikanischen Partnern zu suchen und die wirtschaftlichen Interessen Baden-Württembergs vor Ort aktiv zu vertreten“, so Frohnmaier. CDU und Grünen wirft er „zunehmenden Anti-Amerikanismus“ vor, der Arbeitsplätze gefährde.

Der Schritt ist dennoch bemerkenswert. Üblicherweise intensivieren Spitzenkandidaten in den letzten Tagen vor einer Wahl ihre Präsenz vor Ort, absolvieren Wahlkampfauftritte im Stundentakt und setzen auf maximale Mobilisierung. Frohnmaier dagegen, der neben seiner Rolle als Spitzenkandidat auch außenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion ist, verlagert den Fokus seines Wahlkampfs auffällig stark auf außenpolitische Kontakte – ein Politikfeld, das formal nicht in die Zuständigkeit eines Ministerpräsidenten fällt.

Es ist nicht seine erste Reise in die USA. Bereits im Dezember war Frohnmaier in Washington, traf dort unter anderem die US-Diplomaten Sarah Rogers und Darren Beattie. In New York wurde er von den New York City Young Republicans mit einem Preis ausgezeichnet – ebenfalls öffentlichkeitswirksam begleitet.

Auch bei der Münchner Sicherheitskonferenz wollte er mit Rogers zusammentreffen und hatte das Gespräch im Vorfeld angekündigt. Der Termin wurde jedoch kurzfristig von amerikanischer Seite abgesagt; ein Rückschlag für Frohnmaier, er reiste daraufhin gar nicht erst nach München.

Die erneute Washington-Reise fügt sich in eine Strategie ein, mit der der AfD-Politiker seinen Landtagswahlkampf international auflädt. Während andere Kandidaten im Endspurt auf landespolitische Themen und direkte Wähleransprache setzen, sucht Frohnmaier die Bühne in den USA – mit prominenten Republikanern und deutlicher Symbolik.

Ob diese ungewöhnliche Schwerpunktsetzung kurz vor der Wahl als Beweis außenpolitischer Vernetzung oder als Ablenkung vom Landeswahlkampf gewertet wird, dürfte sich am 8. März entscheiden. Dort liegt die AfD in aktuellen Umfragen bei 20 Prozent — hinter CDU und Grünen.

Pauline von Pezold ist Reporterin beim Newsletter „Playbook“ von „Politico“ Deutschland.

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