Die Präsidentin der UN-Vollversammlung, Annalena Baerbock, wehrt sich gegen Kritik aus Deutschland, dass ihre Politik im Amt der Außenministerin zu moralisierend gewesen sei. „Erstens: Werte und Interessen sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Zweitens: Dieser Spin kommt ja nicht von irgendwoher, sondern ist parteipolitisch motiviert“, sagte Baerbock „t-online“.
Es gebe keinen Widerspruch zwischen einer werte- und interessengeleiteten Außenpolitik. „Das ist totaler Quatsch“, erklärte die Grünen-Politikerin. „Im Lichte von Waffenlieferungen an die Ukraine, Taurus-Debatten, Eurofighter-Entscheidungen, und einem neuen strategischen Konzept der Nato zu behaupten, es hätte eine Moral- und keine harte Sicherheitspolitik gegeben, wäre ja doch schon etwas absurd.“
Mit Blick auf die teils heftigen Reaktionen auf ihre Aktivitäten in den sozialen Medien wirft die ehemalige Außenministerin ihren Kritikern Sexismus vor. „Es ist doch mittlerweile offensichtlich, dass – egal, ob in der Wirtschaft, Politik oder im Sport – bei Frauen, die irgendwie herausstechen, immer noch eine zweite Angriffsebene dazukommt“, sagte Baerbock. „Einige meinen dann, dass eine Ex-Außenministerin auf gar keinen Fall Taxi fahren und dabei auch noch High Heels tragen darf. Auf Social Media wird das gerne auch mit dem Hate-Kommentar ‚Schlampe‘ versehen – oder mehr.“
Baerbock forderte in dem Interview zudem mit Blick auf den Start der Münchner Sicherheitskonferenz mehr europäisches Selbstbewusstsein. „Wenn die EU nun endlich auch außenpolitisch erwachsen wird, dann kann die neue multipolare Ordnung für Europa ebenso eine Riesenchance sein“, so Baerbock. Die EU habe den größten gemeinsamen Binnenmarkt. Wenn sie diesen sicherheitspolitisch mit ihren Freihandelsabkommen nutze, dann sei man in Zukunft auch weniger erpressbar.
Die ehemalige Außenministerin sieht dabei die Strategie der Europäischen Union im Grönland-Streit als mögliche politische Blaupause für den Umgang mit US-Präsident Donald Trump.
„Die EU trat ge- und entschlossen auf und stellte sich vehement den Falschbehauptungen und Forderungen bezüglich Grönlands entgegen“, erklärte Baerbock. „Wenn wir hingegen anfangen, Fakten und Wahrheit zu verhandeln, kommen wir in Teufels Küche.“ Sie warnte außerdem: „Und wenn man aus Angst vor der nächsten Zolldrohung die europäische Solidarität aufgibt oder ins schweigende Appeasement verfällt, wird die EU insgesamt zum Spielball.“
Baerbock selbst war für ihren neuen Job bei den Vereinten Nationen nach New York gezogen. „Wir kennen das ja auch im Persönlichen: Es tut immer weh, wenn eine Freundschaft kaputtzugehen droht, weil man nicht mehr die gleichen Interessen und Werte teilt“, sagte die Grünen-Politikerin mit Blick auf das transatlantische Bündnis. Im Alltag spüre man immer mehr, wie viele Amerikaner dieses Gefühl wirklich umtreibe. „Deshalb ist es aus meiner Sicht entscheidend, nicht nur abstrakt über Wirtschafts- und Sicherheitspolitik zu reden.“
„Widerwärtig, erschreckend“, sagt Baerbock zu Epstein
Die UN-Vollversammlungs-Präsidentin hat außerdem den Umgang mit den Epstein-Akten kritisiert und mehr Schutz für die Opfer gefordert. „Widerwärtig, erschreckend. Einfach alles daran. Mädchen, so alt wie unsere Töchter, wurden aufs Schlimmste missbraucht, über Jahre trotz ihrer Aussagen im Stich gelassen“, so Baerbock.
Es gebe eine „Machtelite“, die sich mit Blick auf „kriminellen Kindesmissbrauch“ gegenseitig schütze. „Das beeinflusst auch die globale Sicherheit, weil dahinter natürlich auch unglaubliche Erpressungspotenziale stecken“, warnte die Grünen-Politikerin. „Neben unabdingbarer Aufklärung und dem Opferschutz sollten sich jetzt all diejenigen, die den Einsatz für Frauenrechte bisher als Gedöns abgetan haben, mal dringend hinterfragen.“
Epstein soll nach Erkenntnissen der US-Bundespolizei FBI mehr als tausend Mädchen und junge Frauen missbraucht und Opfer teilweise an Prominente vermittelt haben. Baerbock sieht in dem Skandal einen weiteren Grund, warum gesellschaftliche Gleichstellung gestärkt werden sollte. Sie sagte „t-online“: „Je mehr Frauen in Führungspositionen sind, desto weniger anfällig ist man für Korruption, Amts-, Macht- und erst recht sexuellen Missbrauch.“
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