Nach dem am Wochenende bekannt geworden ist, dass die Bahn für ihre Werbefilme auf YouTube rund sieben Millionen Euro ausgegeben haben soll, kommt scharfe Kritik aus Reihen der Bundespolizei. Andreas Roßkopf, Chef der Bundespolizisten in der Gewerkschaft der Polizei, sagte zur „Bild“: „Es ist unfassbar, wofür bei der Bahn Geld da war und ist – angefangen bei Boni bis hin zu den enormen Geldern für die sieben Imagefilme, die am Zustand der Bahn nichts geändert haben. Das Geld wäre für Infrastruktur und Sicherheit besser angelegt.“

Der CDU-Finanzpolitiker Olaf Gutting kritisierte die Bahn ebenso. Zur „Bild“ sagte er: „Bei einem Staatskonzern in der aktuellen Verfassung wünsche ich mir statt teurer Imagepflege besser Investitionen in funktionierende Infrastruktur.“

Bereits zuvor hatte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion sein Unverständnis für die Ausgaben des Staatsunternehmens geäußert. „Angesichts der eklatanten Sicherheitsmängel bei der Deutschen Bahn ist es ein Skandal, dass der Vorstand so viele Millionen Euro für lustige Werbeclips ausgibt. Für dieses Geld hätten mindestens 100 zusätzliche Sicherheitskräfte ein Jahr lang bezahlt werden können“, sagte er. „Das ganze Thema“ werde im Innen- und Verkehrsausschuss des Bundestags ein „Nachspiel“ haben.

Die Bahn hatte im vergangenen Jahr die Webserie „Boah, Bahn!“ auf YouTube veröffentlicht. In insgesamt sieben Folgen mit einer Länge von drei bis vier Minuten spielt Entertainerin Anke Engelke die Hauptrolle der Zugchefin Tina. Diese hat mit typischen Problemen bei der Bahn, etwa Verspätungen oder defekten Kaffeemaschinen im Bordbistro zu kämpfen. Bereits vor einigen Wochen hatte Bahn-Chefin Evelyn Palla angekündigt, dass es keine zweite Staffel der Miniserie geben werde.

Wie die „Bild am Sonntag“ berichtete, kostete die Kampagne sieben Millionen Euro. Doch die Summe wollten Bahn und das Verkehrsministerium geheim halten. Bundestagsabgeordnete durften sich die Unterlagen nur in der Geheimschutzstelle des Parlaments anschauen und nicht darüber reden. Doch weil die Bahn zuvor die beliebte und günstige Familienreservierung gestrichen hatte, war der Unmut bei einigen Abgeordneten so groß, dass sie die Summe der Öffentlichkeit mitteilten.

Hintergrund der Kritik ist auch die Tötung des Zugbegleiters Serkan C. Er hatte bei einer Fahrt im Regionalverkehr die Fahrkarten kontrolliert und wurde daraufhin von einem Fahrgast ohne Ticket angegriffen und schwer verletzt. Wenig später starb er.

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