Im aktuellen Streit um Grönland schwankt die AfD zwischen Neutralität und vorsichtiger Zustimmung zum Kurs von US-Präsident Donald Trump. Es handele sich um eine Angelegenheit zwischen Dänemark und den Vereinigten Staaten, hatte die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel, gesagt. „Aus unserer Sicht wird da gar nichts anbrennen, auch wenn in der Diskussion mal ein bisschen rustikal vorgegangen wird“, beschwichtigte der parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Bernd Baumann. Der Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah sieht gar eine „einmalige Chance, Deutschland als best friend Amerikas“ zu positionieren.

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Die Parteijugend scheint dagegen weniger Bereitschaft zu zeigen, der Mutterpartei in ihrer Auffassung zu folgen. Jean-Pascal Hohm, seit November Vorsitzender der Jugendorganisation „Generation Deutschland“, zeigte sich solidarisch mit dem europäischen Nachbarn. „Grönland ist Teil eines souveränen Staates der Europäischen Union. Als Deutsche und Europäer ist es unsere Pflicht, den Dänen und den Grönländern beizustehen“, schrieb er auf der Plattform X. „Wir dürfen uns nicht erpressen lassen – weder durch Zölle noch durch militärische Drohgebärden.“

Eine Annexion durch die Vereinigten Staaten käme dem „Ende der Idee eines freien, starken und souveränen Europas in einer sich neu ordnenden Welt“ gleich, warnte der AfD-Politiker. „Wer meint, man müsse aus Angst vor einem Zollkrieg oder aufgrund von Sympathie für andere Entscheidungen der Trump-Regierung Grönland den US-Amerikanern überlassen, ist kein deutscher und europäischer Patriot, sondern betrachtet unsere Heimat lediglich als Anhängsel oder Spielball von Großmächten.“ Europäische Regierungspolitiker müssten nun mutig und selbstbewusst agieren.

„Woraus ergibt sich diese ‚Pflicht‘, wegen Grönland gegen Trump zu sein?“, erwiderte der frühere Europaabgeordnete Krah fragend unter dem Post.

Es bestehe keine Pflicht, per se gegen den US-Präsidenten zu sein, beteuerte Hohm. Doch Grönland als Teil Europas zu erhalten und zu verteidigen, liege im Interesse Deutschlands. „Trump hat erkannt, dass Grönland aufgrund seiner Lage geopolitisch hochrelevant ist. Wir sollten das auch erkennen und es daher im Einflussbereich eines europäischen Landes halten, statt es aufzugeben“, forderte er. „Ich möchte, dass wir Europäer wieder ernst genommen werden – auch von Partnern und Verbündeten. Und das bedeutet, auch mal standhaft zu bleiben.“

„Grönland ist geografisch Amerika“, konterte Krah. Für ihn geht es vor allem um eine gute Beziehung zu den Vereinigten Staaten – auch aus innenpolitischen Erwägungen. „In unserem Interesse liegt erst einmal, nicht in einen Konflikt mit den USA zu geraten“, führte er aus. „Was hat uns Grönland bislang gebracht? Und als AfD sollten wir tunlichst einen Zoff mit Trump vermeiden, schließlich schützt der uns vor einem Verbotsverfahren.“

Kritisch äußerte sich auch Matthias Moosdorf gegenüber seinem Parteikollegen Hohm. „Schon wieder einer, der Souveränität mit dem Mund deklariert“, beanstandete er konfrontativ auf X. „Ein Kontinent, der in den letzten Jahren 10 % Anteil am weltweiten BIP verloren hat, kann mit Backen-Aufblasen nur die eigenen Irren beeindrucken. Alle Anderen hören schlicht gar nicht hin.“

„Grönland ist nicht durch einen friedlichen Prozess Teil des dänischen Königreichs geworden“

In einem weiteren Post äußerte er sich differenzierter. „Grönland ist nicht durch einen friedlichen, gleichberechtigten Prozess Teil des dänischen Königreichs geworden. Es wurde kolonisiert“, kritisierte er. „Mit militärischer Macht, politischem Zwang und systematischer Unterdrückung wurde das Land über Jahrhunderte hinweg unter dänische Kontrolle gebracht. Die indigene Bevölkerung hatte keinerlei echte Wahl, keine Stimme, keine Möglichkeit, über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden.“

Grönland sei zwar unabhängig, aber kein vollständig souveräner Staat. Den Europäern warf er implizit eine heuchlerische Haltung vor. „Es ist wahrlich paradox“, schrieb der Bundestagsabgeordnete und frühere außenpolitische Sprecher der AfD. „Ein Staat, der den heutigen Status Grönlands durch Krieg, Expansion und koloniale Herrschaft herbeigeführt hat, empört sich, weil ein anderer Politiker es wagt, diesen Status zur Diskussion zu stellen.“

Grönland gehört als autonomes Gebiet zum EU- und Nato-Land Dänemark. US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Wochen immer wieder einen Besitzanspruch auf Grönland erhoben und dies mit nationalen Sicherheitsinteressen der USA in der Arktis begründet. Meist war von einem Kauf des Gebiets die Rede, aber auch militärische Gewalt schloss Trump nicht aus.

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