Die USA sollen im vergangenen Jahr mehrfach versucht haben, dänische Militärangehörige zur Herausgabe von Informationen über Grönland zu bewegen. Das berichtet die dänische Zeitung „Berlingske“ unter Berufung auf Unterlagen der Streitkräfte und des Verteidigungsministeriums in Kopenhagen. Die Redaktion hat die Dokumente nach eigenen Angaben in einer stark zensierten Fassung erhalten – aus Gründen der nationalen Sicherheit, wie es heißt.

Demnach kontaktierte ein US-Militärangehöriger, dessen Identität geheim gehalten wird, im Januar 2025 zweimal im Abstand von sechs Tagen das dänische Militärkommando in Grönland per E-Mail. In der Anfrage ging es offenbar um Informationen über die grönländische Infrastruktur. Konkret soll sich die Korrespondenz laut „Berlingske“ um „Häfen, Flughäfen sowie Kommunikations- und Radaranlagen“ gedreht haben.

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In der ersten Mail am 16. Januar 2025 baten die USA um „Informationen“ und sogenannte POCs, also „points of contact“, weitere Ansprechpartner, an die man sich wenden könnte. Das Arktische Kommando verwies in einer Antwort am nächsten Tag auf den dänischen Verbindungsoffizier am US-Stützpunkt Pituffik Space Base im Norden der Insel. Der Verbindungsoffizier, Lars H. Madsen, sei „eine großartige Informationsquelle für alles rund um Grönland“.

Der Zeitung zufolge ist unklar, ob Madsen tatsächlich Informationen an die USA weitergegeben hat. Auf eine Anfrage von „Berlingske“ äußerte er sich nicht. Aus dem E-Mail-Verkehr gehe jedoch hervor, dass die dänischen Streitkräfte auf Grönland freundlich und entgegenkommend auf die Nachrichten der Amerikaner reagiert hätten.

Am 22. Januar wurde das dänische Militärkommando auf Grönland erneut angeschrieben: „Ich suche einige grundlegende Informationen“, hieß es in der Mail. Der Absender begründete seine Anfrage damit, dass die USA „an …“ arbeiteten – die entscheidende Stelle ist in den Unterlagen geschwärzt.

In Dänemark löste das Vorgehen offenbar Besorgnis aus

Auffallend ist, dass der US-Amerikaner die üblichen Kanäle umging, etwa das Verteidigungs- oder Außenministerium. Stattdessen wandte er sich informell an dänische Kollegen auf Grönland. In Dänemark löste das Vorgehen offenbar Besorgnis aus. Nur kurz zuvor, im Dezember 2024, hatte der frisch gewählte US-Präsident Donald Trump in sozialen Netzwerken geschrieben, die USA seien der Ansicht, „dass der Besitz und die Kontrolle über Grönland eine absolute Notwendigkeit sind“.

Entsprechend alarmiert scheinen die Dänen gewesen zu sein. Am 18. Januar 2025 informierte die operative Leitung des dänischen Verteidigungsministeriums per E-Mail eine Reihe von Schlüsselpersonen in den Streitkräften über die Anfrage der Amerikaner. Der Absender der Mail verwies auf das „aktuelle strategische Klima in Bezug auf Grönland“.

Drei Tage später bat das Verteidigungsministerium das Verteidigungskommando, also den leitenden Teil der Streitkräfte, um weitere Informationen zu der US-Anfrage. Wie „Berlingske“ berichtet, bat das Ministerium, „näher zu erläutern, ob es sich um … handelt“ und ob das Verteidigungskommando „Kenntnis von … hat“. Auch hier sind die entscheidenden Stellen geschwärzt.

Aus einer in der Mail genannten Frist lässt sich ableiten, dass die Angelegenheit als dringend betrachtet wurde: Der Absender wollte „so schnell wie möglich“ und „spätestens um 15:00 Uhr heute“ informiert werden. Das Verteidigungskommando antwortete um 14.30 Uhr. Die Mail ist laut „Berlingske“ aber so stark zensiert, dass ihr Inhalt unklar bleibt.

Am 26. Januar 2025 wurde das Verteidigungsministerium auch über die zweite Anfrage der USA informiert: „Wie hier zu sehen ist, stammt die Anfrage auch dieses Mal von (Name geschwärzt) und ist als Fortsetzung der ersten Anfrage in dieser Angelegenheit zu betrachten.“ Auch hier scheint ein großer Teil der Mail zensiert worden zu sein, sodass unklar ist, um welche Informationen die Amerikaner zuvor gebeten hatten.

„Berlingske“ hat die Mails mehreren Experten gezeigt. Morten Heiberg, Historiker und Spezialist für Geheimdienste an der Universität Kopenhagen, hält die Dokumente demnach für „unglaublich schwierig zu beurteilen“, weil sie so stark geschwärzt sind. „Ich kann nicht wissen, ob es sich um Informationen handelt, die im Falle eines Angriffs nützlich wären, oder ob es sich nur um ,normale‘ Informationen über die Verteidigung der Alliierten handelt.“

Heiberg verweist darauf, dass zumindest die erste US-Anfrage zwar nach der Präsidentschaftswahl, aber vor Trumps Amtsantritt erfolgte. Dies könnte darauf hindeuten, „dass die Anfrage möglicherweise nicht aus militärischen Gründen erfolgte, sondern eher aus dem Wunsch heraus, der neuen Regierung relevante Informationen zu liefern, beispielsweise um zu bestätigen, was Trump immer wieder gesagt hat, nämlich dass die dänische Verteidigung Grönlands null und nichtig ist“.

Die Dänen seien „nicht glücklich“ gewesen

Klar sei aber, dass die Dänen „nicht glücklich“ über die versuchte Informationsbeschaffung gewesen seien, sagte der Geheimdienstexperte Peer Henrik Hansen der Zeitung: „Den Verantwortlichen auf Grönland muss klar gewesen sein, dass – auch schon im Jahr 2025 – Vorsicht geboten war und die höchsten Stellen über die amerikanischen Interessen informiert werden mussten.“

Das dänische Verteidigungsministerium gab auf Anfrage von „Berlingske“ keinen Kommentar ab. Ein Sprecher der US-Botschaft in Kopenhagen teilte mit, es sollte „niemanden überraschen, dass wir einen Dialog und Kontakte mit unseren Partnern in Dänemark und Grönland hatten und weiterhin haben, während wir zusammenarbeiten, um die Sicherheit in der gesamten Allianz und in der Arktis zu gewährleisten.“

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