Bei der propalästinensischen Demonstration in Leipzig ist ein Fernsehteam des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) angegriffen worden. Das Team erhalte nun polizeilichen Begleitschutz, sagte ein MDR-Sprecher. Nach Polizeiangaben wurde nach dem Übergriff ein Tatverdächtiger gestellt.
Die Polizei teilte auf X mit: „Gegen 13:45 Uhr kam es am Connewitzer Kreuz aus der propalästinensischen Versammlung heraus zu einem körperlichen Übergriff zum Nachteil eines Kameramannes des öffentlichen Rundfunks.“
Einem MDR-Live-Ticker zufolge wurde das Team von zwei Personen verfolgt, die wiederholt ein Plakat vor die Kamera gehalten hätten. Als ein Sicherheitsdienst die beiden auf Abstand habe bringen wollen, sei die Situation eskaliert. „Es kam zu einem Handgemenge und Gerangel“, zitierte der MDR einen betroffenen Reporter. Dabei habe ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes einen Schlag mit einem Ellenbogen ins Gesicht bekommen. Die Polizei sei eingeschritten und habe die Personalien aufgenommen.
Angespannter Demo-Tag
Laut Polizeisprecher Olaf Hoppe standen sich rund um das Connewitzer Kreuz mehrere Versammlungen unterschiedlicher Lager innerhalb der linken Szene gegenüber – mit gegensätzlichen Positionen zum Nahost-Konflikt. Zum Auftakt blieb es zunächst ruhig. Die Polizei ist weiter im Großeinsatz.
Teilnehmer der propalästinensischen Demonstration der Gruppe Handala riefen unter anderem „Viva Viva Palestina“ und „Free Palestine“. Handala ist eine antiisraelische Gruppierung, die unter dem Motto „Antifa means: Free Palestine“ zur Versammlung am Connewitzer Kreuz aufgerufen hatte. Der Verfassungsschutz stuft Handala als extremistisch ein. Die Demonstration richtete sich gegen eine bisher in Connewitz stark verankerte überwiegend proisraelische linke Szene. Dagegen wenden sich unter anderem autonome Linksextremisten.
Ab dem Mittag waren laut Versammlungsbehörde acht Demonstrationen und Kundgebungen im Stadtteil Connewitz angemeldet. Auch die rechtsextreme Kleinstpartei Freie Sachsen hatte eine Kundgebung angemeldet.
Die Polizei setzte auf strikte räumliche Trennung. Zwischen den Lagern standen Absperrgitter. „Wir haben bisher keine großartigen nennenswerten Ausschreitungen oder so etwas gehabt“, sagte Polizeisprecher Hoppe. Neben Einsatzkräften aus Sachsen waren auch Beamte aus anderen Bundesländern im Einsatz. Über dem Stadtteil kreiste ein Polizeihubschrauber. Zudem wurde ein Videowagen positioniert.
Am Connewitzer Kreuz hatten die Behörden Glascontainer weggeräumt – eine Maßnahme, die bei angespannten Lagen in Leipzig häufig ergriffen wird. Ein Discounter in der Bornaischen Straße sicherte seine Fenster mit Pressspanplatten.
Linken-Abgeordnete sagte, dass sie ursprünglich „tatsächlich große Angst“ hatte
Nach Angaben der Polizei nahmen an dem propalästinensischen Aufzug rund 1400 Menschen teil. Insgesamt seien bei allen Versammlungen am Samstag in Leipzig mehr als 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezählt worden, sagte Hoppe.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte die Diskussion um die Route der Hauptdemonstration. Die propalästinensische Versammlung zog nach Angaben der Versammlungsbehörde nicht wie ursprünglich angemeldet durch Connewitz – unter anderem vorbei am Büro der Linken-Landtagsabgeordneten Juliane Nagel. Stattdessen führte die Strecke vom Connewitzer Kreuz über die Karl-Liebknecht-Straße in Richtung Innenstadt bis zum Augustusplatz. Hoppe verwies darauf, dass die Anmelder nach Erhalt des Auflagenbescheids eine geänderte Route angekündigt hatten. Die Abschlusskundgebung ist vor dem Gewandhaus geplant. Am Connewitzer Kreuz sei am frühen Abend aber bereits „völlig Ruhe eingekehrt“.
Die Linken-Landtagsabgeordnete Nagel kritisierte die propalästinensische Demonstration der Gruppe Handala scharf. „Ich finde es sehr bedrückend, dass heute Menschen, die sich links nennen, gegen einen linken Stadtteil demonstrieren“, sagte Nagel kurz vor Beginn des großen Demo-Tags. Die hauptaufrufende Gruppe, die diese Demonstration gegen die Connewitzer angemeldet hat, sei eine antisemitische Gruppierung.
Nagel sagte, dass sie ursprünglich „tatsächlich große Angst“ hatte. Mit der Information, dass die Handala-Demonstration nicht durch Connewitz laufen wird, habe sich die Lage etwas entspannt. Sie hoffe, dass alles friedlich verlaufe und man am Abend „auf wenig Schäden und keine Gewaltvorfälle zurückblicken“ könne.
Nur eine „laute Minderheit“?
Nagel kritisierte zudem, dass einzelne Akteure aus der Linkspartei zu einer Demonstration aufgerufen hätten, die sich unter anderem gegen sie und ihr Büro richte. Innerhalb der Partei gebe es zwar unterschiedliche Positionen zum Nahost-Konflikt. Sie sehe aber eine „verbindende Position“ als Mehrheit.
„Der Großteil der Partei Die Linke in Leipzig steht für eine friedliche Lösung für die Menschen in Israel und für eine Staatlichkeit und auch Sicherheit für Palästinenserinnen und Palästinenser.“ Die lautstarken Kräfte, die „das Existenzrecht Israels anzweifeln“, seien dagegen „wirklich eine laute Minderheit“.
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