Niedersachsen schafft das schriftliche Dividieren für Grundschüler ab. Das berichtet die „Bild“ unter Berufung auf eine Sprecherin von Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne). Demnach sollen Grundschüler, die zum Schuljahr 2026/2027 eingeschult werden, künftig nicht mehr die traditionelle Variante des Dividierens lernen.

Stattdessen soll künftig die sogenannte halbschriftliche Methode gelehrt werden. Dabei werden größere Zahlen in leichter zu teilende Schritte zerlegt. Lautet die Aufgabe beispielsweise 2340:5 wird zunächst 2000:5, dann 300:5 und schließlich 40:5 im Kopf gerechnet. Die einzelnen Ergebnisse werden dann addiert: 400 + 60 + 8 = 468. Forschungsergebnisse würden zeigen, dass diese Rechenweise das Zahlenverständnis fördere und Fehler reduziere, teilte das Ministerium mit.

Kritik kommt vom Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Stefan Düll. „Bild“ sagte er: „Gerade in Mathematik wird eigentlich gelernt, auf verschiedenen Wegen zur Lösung zu kommen. Der Schritt in Niedersachsen kann sich auf der weiterführenden Schule rächen. Denn erstens steht das schriftliche Dividieren dort wieder auf dem Lehrplan, zweitens werden dort Problemlösungskompetenzen verlangt, die in den Grundschulen nun noch einmal weniger geübt werden.“ Er fordere das Anwenden beider Rechenwege.

Auch die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbande, Susanne Lin-Klitzing, sagte, sie halte die Entscheidung für falsch: „Das schriftliche Dividieren ist von den vier Rechenverfahren das komplexeste, erfüllt aber auch verschiedene wichtige Funktionen. Allein durch das Untereinanderschreiben erlernen Kinder sauberes, formales Arbeiten. Und sie lernen, früher erlernte Kompetenzen anzuwenden. Also hier Kopfrechnen, Multiplizieren und Subtrahieren.“ Leistungsstarke Schüler würden vorsätzlich um „Kompetenzerlebnisse“ gebracht, die kognitive Entwicklung verflache.

Auch die niedersächsische Opposition kritisiert den Vorstoß der grünen Kultusministerin. CDU-Chef Sebastian Lechner sagte zu „Bild“: „Das geht gar nicht. Aber es entspricht leider der Linie, die Frau Hamburg fährt. An allen Stellen werden die Ansprüche und Anforderungen gesenkt. Damit schadet sie der Zukunft unserer Kinder.“

Lobende Worte kommen dagegen von Susanne Prediger, Professorin für Mathedidaktik an der TU Dortmund: „Der Lehrplan wird an den richtigen Stellen entschlackt, um Zeit zu schaffen, damit Kinder besser die Grundlagen lernen“, erklärte sie im „Spiegel“.

Nach der Entscheidung in Niedersachsen betonte Sachsen unterdessen, das schriftliche Dividieren an Grundschulen weiterhin zu lehren. Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) erklärte am Montag: „Unsere Haltung in Sachsen ist klar: Wir halten am schriftlichen Dividieren in der Grundschule fest. Die Methode werde im Lehrplan für Mathematik an Grundschulen weiter als Lernziel vorgegeben.“

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