Das US-Militär hat einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker beschlagnahmt. Der Zugriff im Nordatlantik sei wegen „Verstößen gegen US-Sanktionen“ erfolgt, teilte das Europa-Kommando der US-Streitkräfte (Eucom) am Mittwoch mit. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur AP gemeldet, US-Streitkräfte hätten das Schiff vor Island geentert.

Es handelt sich demnach um den Frachter „Bella-1“, der als sanktioniertes Schiff „die Sicherheit und Stabilität der westlichen Hemisphäre bedrohe“, so Eucom weiter. Mit der westlichen Hemisphäre ist meist der Doppelkontinent Amerika samt umliegender Inseln gemeint. Der Einsatz war demnach mit dem Justizministerium und dem für die Küstenwache zuständigen Heimatschutzministerium abgestimmt. Die Militärs hätten anschließend die Kontrolle über den Tanker an die Strafverfolgungsbehörden übergeben, hieß es weiter.

Name und offenbar auch Registrierung wurden geändert

Vorausgegangen war der Option eine rund zweiwöchige Verfolgungsjagd im Atlantik. Das Frachtschiff wurde von der US-Küstenwache verfolgt. US-Medienberichten hatte es auf dem Weg nach Venezuela auch den Kurs geändert, um einer Durchsuchung zu entgehen. Zudem soll der Frachter auch seinen Namen in „The Marinera“ geändert haben. Die US-Streitkräfte nannten diesen Namen nicht. Nach der Kursänderung und verfolgt durch die US-Küstenwache soll die Besatzung auch die russische Flagge auf die Seite des Schiffes gemalt und die Registrierung geändert haben.

Russische Militärschiffe, darunter ein U-Boot, befänden sich in der Nähe des Schiffs, hieß es in Medienberichten übereinstimmend.

Bevor die Beschlagnahmung des Tankers durch die USA öffentlich wurde, teilte das Außenministerium in Moskau der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge mit, Russland betrachte die außergewöhnliche Situation mit Besorgnis. Weiter hieß es, das Schiff befinde sich in internationalen Gewässern und handele im Einklang mit dem internationalen Seerecht. Moskau forderte die westlichen Länder auf, das Recht des Schiffes auf freie Schifffahrt zu respektieren.

Russland wird von den westlichen Alliierten seit Langem beschuldigt, alte Tanker zu nutzen, um Sanktionen zu umgehen.

Tanker durchbrach offenbar Blockade

US-Präsident Donald Trump hatte im Dezember eine Blockade gegen sanktionierte Öltanker auf dem Weg von und nach Venezuela angekündigt. Das jetzt geenterte Schiff hatte sich dieser Blockade entzogen und war vor Schiffen der US-Küstenwache geflohen.

Zudem habe er sich den Versuchen der US-Küstenwache widersetzt, an Bord zu gehen, seinen Kurs geändert und sei seitdem unter ‍russischer Flagge registriert, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Dem „Wall Street Journal“ zufolge wollte der Tanker ursprünglich in Venezuela anlegen und soll derzeit ohne Fracht unterwegs sein. Das Southern Command der USA schrieb am Dienstag auf der Plattform X, sich sanktionierten Schiffen und Akteuren entgegenzustellen.

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